Großfeldturnier um den Rosentalcup: 14. Mai 1994, Südanlage des Leipziger Sportforums
5. SPIEL: 14. MAI 1994, SÜDANLAGE DES LEIPZIGER SPORTFORUMS
FC Waldstraßenviertel - VfL Leipzig 1977 0:3 (0:2)
FCW mit: Matthias Bebobru - Mesack Leonard Epoupa, Jens Tünnemann, Andreas Seidel, Patrick Dhliwayo - Tobias Kluge, Martinho Ceita Stock, Oliver Wolfram, Sultan Hala - Nico Klisch, Ralf Hertel
6. SPIEL: 14. MAI 1994, SÜDANLAGE DES LEIPZIGER SPORTFORUMS
FC Waldstraßenviertel - SV Motor Nord 0:1 (0:1)
FCW mit: Matthias Bebobru - Mesack Leonard Epoupa, Jens Tünnemann, Andreas Seidel, Patrick Dhliwayo - Tobias Kluge, Oliver Wolfram, Uwe Klinkicht, Sultan Hala - Martinho Ceita Stock, Nico Klisch (Ralf Hertel)
7. SPIEL: 14. MAI 1994, SÜDANLAGE DES LEIPZIGER SPORTFORUMS
FC Waldstraßenviertel - WSG Rosental 1:1 (0:1)
FCW mit: Matthias Bebobru - Mesack Leonard Epoupa, Jens Tünnemann, Andreas Seidel, Patrick Dhliwayo - Tobias Kluge, Oliver Wolfram, Uwe Klinkicht, Sultan Hala - Martinho Ceita Stock, Ralf Hertel
Tor: Sultan Hala
Spielbericht
Im Konzert der Großen noch zu klein
Im Frühling Vierundneunzig ist Festtagsstimmung beim VfL Leipzig und bei Motor Nord. Vier Mannschaften spielen um den Rosental-Cup auf der Südanlage des Leipziger Zentralstadions. Am Rande des Waldstraßenviertels. Wenn man so will, in unserem Wohnzimmer.
Heute steht dort die Arena Leipzig für Konzerte und Sportveranstaltungen. Und es gibt viele Parkplätze. Früher sah alles noch ganz anders aus. Wenn ich daran denke, werde ich wehmütig. Aber die Zeit bleibt nun mal nicht stehen. Heute ist alles sehr kommerziell. Du kannst nicht einfach auf einen Sportplatz gehen und dort mit ein paar Freunden ein Spielchen machen.
Als wir Kinder waren schon. Wir haben uns oft am Wochenende auf der Südanlage des Sportforums oder auf der direkt benachbarten Hockeywiese getroffen. Ein paar Freunde und ein Ball. Alles war so wunderbar einfach. Kommt ihr mit? Seid ihr dabei? In einer Stunde sind wir drüben! Keiner hat sich darüber aufgeregt. Es kamen keine Polizei und auch keine wütenden Leute.
Ich glaube, wir hatten mit dem Fußball eine glückliche Jugend. Und einen großen Teil dieser Zeit war ich dort. Die ganze Zeit an der frischen Luft. Auf Fernsehen hatte ich keine Lust. Und Computerspiele gab es auch nicht.
Eigentlich müssten die Bilder in meinen Gedanken schwarz-weiß sein. Wie alte vergilbte Fotos. Aber vor meinen Augen ist die Zeit bunt. Voller Farben und die Sonne scheint auf den grünen Rasen. Ich sehe Henne, Uwe Klinkicht, die Petzold-Brüder, Wolfgang und Achim. Und wie sie alle heißen. Es ging immer fair zu, obwohl auch verbissen gekämpft wurde. Wir waren einfach Straßenfußballer. Danke für diese wunderschöne und so wichtige Zeit!
Wieder hatte uns Helmut Pavlov eingeladen. Dottore, du musst kommen! Wenn ihr euch Waldstraßenviertel nennt, müsst ihr beim Rosental-Cup dabei sein!
Neben den beiden hochdotierten Stadtklassemannschaften und uns war noch die WSG Rosental, der Verein meiner Jugendzeit mit dabei. Jahrelang hatten Fischi, Tobias, ich und teilweise auch Uwe bei Rosental gespielt und schöne Zeiten erlebt. Vor allem die Zeit bei den Knaben mit dem Trainer Istvan Juhasz habe ich in guter Erinnerung behalten. Er war Ungar und ein gutherziger Mensch. Immer freundlich zu uns Kindern. Seine Stimme voller Akzent höre ich noch deutlich. All das ist lange her. Heute kannte ich von der Männermannschaft aus der Kreisklasse höchstens noch den einen oder anderen vom Sehen.
Das Turnier würde hart werden. Drei Spiele an einem Tag. Jeweils zweimal zwanzig Minuten. Spielkleidung bekamen wir über einen Kommilitonen von einer Mannschaft aus der Nähe von Schneeberg. Hellblau-dunkelblau. Mit den Augen von damals hat sie mir gut gefallen.
Dann das erste Spiel gegen den VfL Leipzig. Vorher noch große Aufregung, weil Leonard erst auf den letzten Drücker kam. Wir haben sofort gemerkt, dass wir hier einfach keine Chance haben. Zu clever, zu ballsicher der Gegner. Und zu beweglich. Die haben den Ball und uns von Anfang bis Ende laufen lassen. Ich glaube, wir hatten nicht mal eine echte Torchance. Einzig Martinho hatte spielerisch und läuferisch das Format, das wir alle gebraucht hätten. Er ist unheimlich viel gelaufen und hat viel versucht, war aber zu sehr auf sich allein gestellt.
Als Mannschaft waren wir an diesem späten Vormittag einfach nicht auf Augenhöhe. Am Ende waren wir mit dem 0:3 sicher noch gut bedient.
Im zweiten Spiel sieht alles nicht viel anders aus. Motor Nord ist vom gleichen Kaliber. Genauso abgeklärt und vor allem auch im Spiel Mann gegen Mann nicht so ohne weiteres auszuspielen. Eben eine lange eingespielte Stadtklassemannschaft. Das 0:1 dann ein unglaubliches Tor. Tragisch und komisch zugleich: Ich denke, es war Jens Torge, der damals so eine Art Libero bei Motor Nord spielte. So vielleicht zwanzig Meter vor der Mittellinie hat er abgezogen. Eigentlich ein Befreiungsschlag. Aber es wird ein unglaublicher Ball. Matthias stand viel zu weit vor dem Tor. Er hat den Ball nicht kommen sehen, der vor ihm aufsetzte und dann über ihm hinweg in Richtung Tor ging. Diese an sich schon traurige Szene wurde denkwürdig, als Matthias dem Ball noch hinterherlief, dabei stürzte und mit der Hand noch dran war, als der Ball ins Tor ging. Mir tat das weh. Das hatte er nicht verdient. Und die von Motor Nord haben sich halbtot gelacht.
Im letzten Spiel ging es gegen die ganz in grün spielenden Rosentaler. Wir waren gleichwertig. Mindestens. Trotzdem gingen die in Führung. Könnte sein, dass es dieser bullige, lockenköpfige Verteidiger mit dem Kopf war. Ganz sicher bin ich mir nicht. Dann sind wir angerannt und haben in der zweiten Halbzeit endlich unser Tor gemacht. Ein langer Flankenlauf an der rechten Seite von Andi Seidel, eine herrliche Flanke in den Strafraum. Dort flog Sultan Hala, der Mann aus Kamerun in den Ball und machte mit einem super Kopfball das 1:1.
Am Ende gewann der VfL das Turnier und wir wurden Vierter, aber die Spiele haben uns auf unserem gerade begonnenen Weg wieder ein gutes Stück weitergebracht. Das erste Mal haben wir unsere Grenzen gesehen. Auch wenn das weh tat. Mein Vater würde sagen, dass das Lehrgeld ist, das man bezahlen muss. Und er hätte Recht gehabt. Wir müssen das annehmen und daraus lernen. Und es war klar: Wir werden wiederkommen. Ich glaube, das waren damals meine Gedanken.
Das Turnier klang in der Nachmittagssonne vor der Hockeybaracke aus. Bei Bier und Grillfeuer. Auch Helmut hatte noch eine faire Geste. Unser Martinho aus Sao Tomé sollte als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet werden, war dann aber zur Preisverleihung nicht mehr da. Ich kenne Helmut. Er hätte ihn gar zu gern zum VfL geholt.