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11.Spiel : 09. August 1995, Südoststadion des SSV Stötteritz

FC Waldstraßenviertel - SSV Stötteritz (Junioren) 6:2 (3:2)

FCW mit: Jens Fischer - Mesack Leonard Epoupa, Thomas Kott (Holm Hönicke), Kersten Guthke, Patrick Dhliwayo - Tobias Kluge, Oliver Wolfram, Jörg Voigtmann, Rigobert Herve Kamdem - Jens Tünnemann, Uwe Klinkicht

Tore: Mesack Leonard Epoupa (2), Oliver Wolfram (2), Jens Tünnemann, Tobias Kluge

Spielbericht

Wie aus einem Guss

Helmut Pavlov hatte in diesem Jahr den VfL Leipzig verlassen und war zum SSV Stötteritz gewechselt. Es muss mit Siemens zu tun gehabt haben und lag sicher am fehlenden Geld für seine Arbeit beim VfL.

Für mich war der Sommer fünfundneunzig die Zeit des Staatsexamens mit den vielen mündlichen Prüfungen in den klinischen Fächern. Am zweiten August hatte ich gerade Pädiatrieprüfung und die letzte Prüfung im Fach Gynäkologie und Geburtshilfe stand am fünfundzwanzigsten August unmittelbar bevor.

Im trockenen Alltag zwischen Büchern und Heftern war mir jede Abwechslung willkommen und so fuhren wir, wieder auf Helmuts Einladung, am späten Nachmittag des neunten August ins Südoststadion nach Stötteritz. Mit dem Stamm des Teams, das schon gegen die Zweite vom VfL spielte. In super Stimmung und bei herrlichem Wetter. Hinzu kamen wieder Thomas Kott, der maximal eine Halbzeit spielen wollte, Uwe Klinkicht und Tobias Kluge. Für Matthias stand wieder Fischi im Tor.

Der Gegner war Helmuts Flaggschiff. Gut gewachsene Burschen, die sicher glaubten, jetzt ein paar Straßenfußballer aus dem Stadion jagen zu können. Alles in allem eine gut ausgebildete und hochmotivierte A-Jugend-Mannschaft, in etwa vom gleichen Schlag wie die vom VfL anderthalb Jahre vorher auf der Südanlage.

Anstoß achtzehn Uhr dreißig in der Abendhitze des Südoststadions. Wir im ungeliebten, aber erfolgreichen Violett der vergangenen beiden Spiele, Stötteritz ganz in rot.

Ein Spiel wie aus einem Guss. Und ganz sicher unsere bis dahin beste Leistung. Trotz des Fehlens von Andreas ein sicherer Spielaufbau aus der Abwehr heraus. Dynamisches Kurzpass-Spiel im Mittelfeld und schnelle Paarbildung: Thomas und Tobias auf der linken Seite, Kersten und ich auf rechts, mit wechselseitigen Flankenläufen und pausenlosem Einsatz. Wir führten schnell 3:0 durch einen Kopfball von Leonard und zwei Tore von mir, jeweils aus Nahdistanz, eines davon nach Kurzpass im Fünfmeterraum.

Wir waren fast beängstigend stark. Viele Doppelpässe schon im Mittelfeld. Jörg führte mit seiner unnachahmlichen Art Regie und verteilte die Bälle nach Belieben mit einer unglaublichen Übersicht. In seinem Schlepptau Hervé, der diesmal vielleicht nicht ganz so effektiv wie zuletzt, aber gewohnt einsatzstark war.

Mitten hinein in das Feuerwerk der ersten Hälfte dann kurz vor der Pause die beiden Gegentore, an deren Zustandekommen ich mich nicht mehr erinnern kann. Trotz der nun nur noch knappen 3:2-Führung hatte keiner von uns das Gefühl, dieses Spiel noch verlieren zu können. 

Aus der Pause heraus weiter die überfallartigen Angriffe auf einen Gegner, der keineswegs schlecht war, sogar letztlich eine homogene Mannschaft mit einer guten Raumaufteilung hatte, aber durch ständige glänzende Seitenwechsel und ballsichere Doppelpässe regelrecht an die Wand gespielt wurde. Holm kam für Thomas in die linke Innenverteidigung. Er wirkte unzufrieden, weil er die erste Hälfte pausiert hatte, machte dann seine Sache erneut gut und spielte als Verteidiger unauffällig. Das Beste, was du über einen Verteidiger sagen kannst.

Leonard als Libero und Kapitän mit viel Offensivpower und ständigem Drang zum Tor verwandelte dann einen Freistoss direkt und war noch immer nicht zufrieden. Irgendwie schien er als Kameruner vor allem Patrick, dem Südafrikaner zeigen zu wollen, dass er nicht nur Eigentore schiessen kann. Patrick dagegen spielte wie immer kühl und überlegt, manchmal eine Spur zu riskant, besonders bei seinen berüchtigten Dribblings als letzter oder wenigstens vorletzter Mann.

Tünne und Tobias machten die beiden letzten Tore in einem Klassespiel, in dem die junge und motivierte Mannschaft des Gegners einem phasenweise leid tun konnte. Bis zuletzt waren die Jungs um Resultatsverbesserung bemüht und hatten noch einen kapitalen Sonntagsschuss aus fünfundzwanzig Metern von halblinks, der im rechten Dreiangel eingeschlagen wäre, wenn Fischi nicht, waagerecht in der Luft liegend, mit einer spektakulären Glanzparade den Ball noch mit einer Hand über die Latte gelenkt hätte.

Das Ende war ein schönes Gefühl nach dem nunmehr dritten Sieg in Folge über einen Gegner, der ein fairer Verlierer war.

Das Jahr Neunzehnhundertfünfundneunzig war wichtig für uns. Wir haben Fussball nicht nur gekämpft, sondern mit richtiger Leidenschaft gespielt. Wir hatten einen guten Lauf, weil wir geschlossen, kreativ und sehr dynamisch waren. Auch weil es der Grundstein für die kommende Zeit war, eine Zeit, in der wir uns immer grössere Gegner suchten und endlich auch die Atmosphäre der Kleinfeldturniere kennenlernten. Vieles, was uns später auszeichnete, begann damals. Und deshalb denke ich auch so gerne an diese Zeit zurück.

Bilder

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