13.Spiel : 04. August 1996, Sportplatz Prager Straße, Leipzig
FC Waldstraßenviertel - SV Eintracht Leipzig 1996 7:2 (3:0)
FCW mit: Jens Fischer - Jens Tünnemann, Andreas Seidel, Kersten Guthke, Patrick Dhliwayo - Tobias Kluge, Jörg Voigtmann, Oliver Wolfram, Mesack Leonard Epoupa (Albrecht Herold) - Steve Brenner, Holm Hönicke
Tore: Steve Brenner (5), Oliver Wolfram, 1 Eigentor
Spielbericht
Sieben 2.0
In der Prager Straße, weit stadtauswärts gegenüber vom Leipziger Völkerschlachtdenkmal spielt die SV Eintracht Leipzig, jene Mannschaft, die wir im April Fünfundneunzig mit 7:2 geschlagen hatten. Damals noch unter dem Namen SV Robotron. Wir bekamen von denen gut ein Jahr später, im Sommer Sechsundneunzig die Einladung zur Revanche und formierten kurzfristig eine Mannschaft.
Den bevorstehenden Rückkampf gegen Gohglmohsch vor Augen würde das Spiel sicher die Aufgabe eines warm up haben. Und sicher auch einer Standortbestimmung. Eine, die du dringend brauchst. Wie sind die Mechanismen, wie verschieben wir und wie die Laufwege. Gegen Goglmohsch werden wir an unsere Grenzen müssen. Spielerisch und auch konditionell. Aber vor allem als Mannschaft!
Und so traten wir mit voller Kapelle an. Vor Fischi, der im Tor gesetzt war, würden mit Tünne, Andreas und Kersten drei der vier Verteidiger spielen, die die siegreiche Regenschlacht vom Gontardweg bestritten hatten. Hinzu kam für Thomas Kott wieder Patrick ins Team zurück. Tünne würde erstmals Libero spielen, da Leonard neben Jörg, Tobias und mir ins Mittelfeld rücken wollte. Ich glaube, Leonard wollte vor allem auf Torejagd gehen. Und damit gegenüber Patrick glänzen. Zum Selbstverständnis einer guten Statistik gehören für ihn Tore. Offen zugegeben hat er das nicht, aber ich kenne ihn schon ziemlich lange.
Im Angriff gab es keinen Grund, das erfolgreiche Duo Steve und Holm zu verändern. Hinzu kam erstmals Albrecht Herold ins Team, den Kersten von Gohglmohsch mitgebracht hatte. Aus heutiger Sicht ein historischer Moment, denn Albrecht würde nach dem nahenden Gipfeltreffen im September, in dem er mit Kersten natürlich für Gohglmohsch spielen würde noch so manches große Spiel für uns machen. Vielem, das später kam drückte er mit seinen Toren, die viel mit seinem höllischen Tempo zu tun hatten einen Stempel auf. Albrechts Stil ist berechenbar. Du siehst voraus, was gleich passiert. Aber es nützt dir nichts. Selbst, wenn du weißt, wie er es macht, kannst du es nicht verhindern. Im Konter ist fast jeder ohne Chance gegen die weit vorgelegten Bälle und den Speed in den Rücken der Abwehr. Wohl dem, der einen solchen Spieler in seinen Reihen hat.
Vierter August Sechsundneunzig. Vierzehn Uhr dreißig Anstoß. Und bei warmem Sommerwetter ideale Bedingungen. Von der ersten Minute an waren wir drückend feldüberlegen - kein Gedanke also an eine Revanche. Die frisch umbenannte Eintracht hat es schnell gemerkt. Hier gibt es nichts zu holen.
Jörg und Andi zauberten nach Belieben die Bälle ins Spiel. Kersten und Tünne spielten sicher, Patrick mit fast provozierender Gelassenheit und klugen kurzen Pässenund auch Tobias agierte mit stoischer Ruhe. Praktisch keine Ballverluste, alles gelang. Teilweise wunderbarer Tempofußball mit vielen Kombinationen im Mittelfeld und vorn die Torfabrik Steve Brenner, der mit einem unsicheren jungen Keeper kurzen Prozess machte. Die Verteidiger wurden regelrecht durcheinander gewirbelt. So stand es nach zweimal Steve und einem Eigentor bereits zur Pause 3:0.
Einziger Wermutstropfen bis dahin war die Verletzung, die sich Albrecht auf dem rechten Flügel zuzog. Ich habe nicht genau gesehen, wie das passiert ist. Irgendetwas mit dem Sprunggelenk. Aus nach knapp zwanzig Minuten. Albrecht hat nichts mehr gesagt. Er war restlos bedient.
Die zweite Halbzeit das gleiche Bild. Ein chancenloser Gegner stürzt von einer Verlegenheit in die andere. Zu schnell, zu leichtfüssig und zu sicher sind unsere Angriffe. Noch dreimal Steve und einmal ich sorgen bei zwei Gegentoren schliesslich mit 7:2 für genau den gleichen Endstand wie im Vorjahr. Mein Tor kurz vor Ende. Oh Mann, eins, das man später noch seinen Enkeln erzählt. Erst irgendein Aufsetzer vom rechten Mittelfeld, gut fünfundzwanzig Meter Torentfernung, von rechts außen. Ganz spitzer Winkel, direkt genommen und ein Schuss wie ein Strich ins linke Dreiangel. Van Basten reloaded. Ein richtig irres Ding.