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14. Spiel: 22. September 1996, Leipziger Zentralstadion

FC Waldstraßenviertel - Gohglmohsch 5:3 (5:1)

FCW mit: Jens Fischer - Mesack Leonard Epoupa, Andreas Seidel, Steffen Scholz (Tobias Kluge), Heiko Hennig - Rigobert Herve Kamdem (Gerald Lange), Jörg Voigtmann (Uwe Klinkicht), Oliver Wolfram, Patrick Dhliwayo - Steve Brenner, Holm Hönicke

Tore: Steve Brenner (3), Jörg Voigtmann, Oliver Wolfram

Spielbericht

Zwei Helden. Für immer.

Von Herzen Steves Mutter Martina Brenner gewidmet.

Die Revanche gegen Gohglmohsch war eines unserer großen Spiele.

Schon lange vorher war es immer wieder vor meinen Augen abgelaufen. Ein Kampfspiel. Ein Schlagabtausch mit offenem Visier. Leidensbereit und voller Mut gegen eine Übermacht. Bei strömendem Regen. Und es geht hin und her. Keiner weicht auch nur einen Meter zurück.

Der Abgleich mit der Realität führt zurück zum Oktober Vierundneunzig. Beim damaligen 1:6 war uns Hören und Sehen vergangen und diejenigen, die von damals noch dabei waren, hatten das nicht vergessen. Ich am allerwenigsten. Vor allem, wenn ich an die letzten Minuten von damals denke. Und an Meigl Hoffmann.

Inzwischen waren zwei Jahre vergangen. Wir hatten uns weiterentwickelt, hatten ein Profil und waren inzwischen eine Mannschaft mit guten Technikern und offensiver Ausrichtung. Auf jeden Fall keine Truppe mehr, die man einfach über den Haufen rennt.

Wir wollten die ganz große Bühne. Und hatten die Idee mit dem Stadion. Mitten in unserem Waldstraßenviertel steht eines der größten Stadien Europas. Das Leipziger Zentralstadion. Fast hunderttausend Plätze. Und dieser gepflegte Rasen! Schlichtweg ein Traum, darauf zu spielen. Nach dem Abstieg des VfB Leipzig aus der Fußball-Bundesliga wurde das Stadion damals kaum noch genutzt, aber vom Sport- und Bäderamt verwaltet und gepflegt. Das war unsere Chance.

Über die im letzten Jahr durch Helmut zustandegekommene Verbindung konnten wir das Stadion bei seinem Freund Rautenberg tatsächlich mieten. Für stolze dreihundert Mark. Damals ein hoher Preis, aber dafür eine klasse Kulisse und eben ein traumhafter Rasen. Genau das Richtige also, wenn es gegen den erklärten Erzrivalen geht.

Als ich mit dem gelandeten Coup nach Hause kam, glühten die Telefone. Den Jungs fielen fast die Augen raus. Einer nach dem anderen. Andi schwärmte, Leonard und Hervé konnten es gar nicht glauben und auch Steve, dem ein großes Spiel bevorstand kam aus dem Staunen nicht mehr raus.

Ich erinnere mich an Wochen großer Euphorie vor dem Spiel.

Diejenigen, die die letzten beiden Jahre mit uns gegangen waren, wollten jetzt dabei sein. In diesem Stadion musst du einfach spielen!

Fischi würde im Tor stehen, Leonard als Kapitän spielt als Libero sein Abschiedsspiel für uns. Vor ihm die beiden Innenverteidiger. Links Andreas und rechts Steffen Scholz, der für den fiebernden Tünne in die Mannschaft kam.

Als Vorstopper dann Derjenige, der dem Spiel eine Prägung geben würde, einer, mit dem Jörg und ich befreundet waren, der Inbegriff von Sympathie und Bescheidenheit. Ein Achter, von dem man heute sagen würde, er ist ein Box-to-Box-Player. Mit großer Dynamik, heißem Herzen und doch kühlem Kopf. Heiko Hennig, damals sechsundzwanzig Jahre alt und beim SV Motor Nord an der Mühlwiese unter Vertrag, würde sein erstes Spiel für uns machen.

Und was für eins.

Im Mittelfeld spielt Jörg zentral, flankiert vom Kameruner Rigobert Hervé Kamdem auf links und Patrick Dhliwayo aus Südafrika auf rechts. Beides klangvolle Namen. Hervé wollte sich an der Seite seines großen Vorbildes Jörg zerreissen und Patrick musste man als Überlebenden vom Mariannenpark nicht zusätzlich motivieren.

Blieben noch drei Plätze. Im Sturm hielten wir uns an das alte englische Sprichwort Never change a winning team. Holm und Steve waren nach den beiden letzten siegreichen Spielen praktisch gesetzt. Steve war auf einer großen Erfolgswelle. Er war regelrecht on fire! Sieben Tore aus den letzten beiden Spielen. Auch Holm konnte durch seine Laufstärke und mannschaftsdienliche Spielweise ein wertvoller Spieler sein. Auch ihm waren Meigls Jubelgesänge noch in den Ohren.

Mit beiden hatte ich im Angriff ein gutes Gefühl.

Ich selbst konnte auf meiner damaligen Lieblingsposition hinter den Spitzen spielen. Im Mittelfeld, aber ohne feste Zuordnung.

Auf dieses Spiel habe ich regelrecht gebrannt.

Fast zwei Jahre hatten wir auf diesen Augenblick gewartet und jetzt ging es los. Es ist der späte Vormittag an diesem denkwürdigen zweiundzwanzigsten September Neunzehnhundertsechsundneunzig. Es ist bewölkt und windstill. Oben auf der Tribüne steht Jens Tünnemann, der zusammen mit seinem Vater das Spiel mit der Kamera aufnimmt und es so für uns alle unvergesslich macht. Danke Tünne, dass Du das gemacht hast!

In mir ist große Spannung. Ich wollte unbedingt die Revanche. Ich werde jetzt hier alles reinhauen. Definitiv alles.

Auf irgendwas warten wir. Holm und Steve stehen fast zwei Minuten am Anstoßkreis. Und dann endlich gibt Walter Schneider das Spiel frei.

Der Ball läuft flüssig. Alle kennen ihre Positionen. Jörg fordert sofort die ersten Bälle und beginnt über halblinks das Spiel zu entwickeln. Zusammen mit Andi, der von Anfang an an den Ketten zerrt und die linke Außenbahn rauf und runter läuft. Kurze Pässe, Dribblings. Das sieht gut aus. Jörg tritt immer wieder auf den Ball und dirigiert. Jörg befindet sich in der Form seines Lebens.

Die ersten Paare finden sich. Andi hat es auf links mit Nazim Kiziltoprak, dem türkischen Dribbelkünstler zu tun, der sofort das Eins-gegen-Eins sucht, aber schnell merkt, dass man auf unserer linken Seite niemanden so einfach austanzen kann. Insbesondere keinen Andi, dessen Bewegungen elegant und spielerisch leichtfüßig sind.

Auf rechts das Duell zwischen Scholle und Albrecht Herold, dessen Schnelligkeit wie eine dunkle Drohung über uns schwebte. Aber Scholle spielt stark, ist stets vor Albrecht am Ball und lässt sich auch auf kein Laufduell ein. Darüber hinaus hat er noch Zeit, sich in die Offensive einzuschalten. Auf der anderen Seite spielt Steve links gegen unseren alten Bekannten Kersten Guthke und Holm rechts gegen Frank Henn.

Die erste Chance hat Heiko Hennig, der in der fünften Minute aus sechzehn Metern in Mittelstürmerposition abzieht, aber der Ball geht knapp daneben. Es ist der erste und gleichzeitig letzte Warnschuss, denn jetzt schalten wir zwei Gänge hoch.

Der erste Angriff über über links bringt das 1:0. Heiko auf Steve und Steve auf Jörg. Jörg will aus spitzem Winkel von links flanken. Gohglmohschs Keeper Jens Steinhardt unterläuft den Ball, der genau ins rechte untere Eck passt. Ein kapitaler Torwartfehler, aber was für ein Beginn für uns!

Von nun an reißt es nicht mehr ab. Wir sind drückend überlegen und verschieben gut. Andi und Scholle, die Verteidiger rücken wechselseitig auf. Heiko wird als Vorstopper zur überragenden Figur in der Offensive. Als würde er das Spiel vor sich sehen wollen, holt er die Bälle meist von hinten und treibt sie unwiderstehlich nach vorn. Das ist sein Markenzeichen. So habe ich „Henne“ auch später in all den Jahren immer wieder erlebt. Das Spiel wird jetzt zum Powerplay.

Dann die fünfzehnte Minute. Drei Ecken nacheinander. Ich weiß, da gibt es ein Sprichwort. Die erste Ecke kommt von rechts, die zweite von links, die dritte wieder von rechts. Patrick Dhliwayo, der Mann aus Südafrika, bringt sie gefühlvoll herein. Ich steige am höchsten und kann völlig unbedrängt einköpfen. Der Ball rutscht noch über Totos Schädel und schlägt unhaltbar im linken Dreiangel ein. Was für ein Tor!! Und wir führen nach gerade mal einer Viertelstunde 2:0 gegen Gohglmohsch!!

Unser Gegner ist jetzt angeschlagen. Los, Jungs, sofort nachsetzen!

Die Jungs wissen das und stellen das Mittelfeld zu. Der Druck kommt aus allen Mannschaftsteilen. Sporadische Gegenangriffe enden mehrfach im Abseits, das Andi, Scholle und Leonard, der nach durchwachsenem Beginn immer stärker wird, riskant inszenieren. Die Entscheidungen mögen knapp sein, aber sie sind jedes Mal richtig.

Wir bleiben im Vorwärtsgang. Am überragenden Jörg orientieren sich die anderen. Und auch ich. Es ist eine Freude, mit ihm auf dem Platz zu stehen.

Auch Patrick fordert jetzt die Bälle und spielt unverwechselbar. Absolut ballsicher und in seinen Bewegungen fast provozierend. Patrick, bitte denk dran, kein Risiko da hinten! Alle suchen jetzt nach dem Gaspedal. Auch Holm sucht die Zweikämpfe und zerreisst sich auf rechts. Alle sind wie elektrisiert von der frühen Führung. Einzig und allein Hervé im linken Mittelfeld scheint übernervös und findet keine richtige Bindung zum Spiel, obwohl auch er kämpft und es immer wieder versucht.

Ein Dreiundzwanzigmeter-Freistoß von Nazim geht nach knapp zwanzig Minuten weit über das Tor. Bis jetzt keine einzige Torchance für das favorisierte Team der Schwarz-Weißen.

Sieben Minuten später schlägt es dann aus heiterem Himmel bei Fischi ein. Zweikampf auf unserer rechten Seite zwischen dem aufgerückten Frank Henn und Holm, der von hinten den Ball spielt. Frank Henn stolpert und es gibt Freistoß, den Albrecht hereinbringt. Nazim im Tiefflug, von Andi bedrängt, jagt den Ball zum 2:1 per Kopf in die Maschen.

Bis wir uns wieder gefangen haben, vergehen ein paar hektische Minuten. Es kommen die ersten Nickeligkeiten. Nazim foult zweimal kurz hintereinander Jörg. Beide Male von hinten. Und folgerichtig sieht er Gelb.

Bei einem Konter zeigt Fischi eine erste leichte Unsicherheit, die aber zum Glück keine Folgen hat. Wir bleiben auf dem Gaspedal.

Nach dreiunddreißig Minuten fällt das wichtige 3:1. Thomas „Toto“ Radny vertändelt beim Spielaufbau gegen Steve den Ball, den Heiko erst nach vorn und dann nach innen bringt. Innen steht Steve, der aus acht Metern kurzen Prozess macht.

Unsere stärkste Phase beginnt. Pausenlos rücken die Außenverteidiger über die Flügel nach vorn. Jörg zaubert und verteilt die Bälle. Mann, hat der eine Ausstrahlung! Wenn du ihn neben dir hast, traust du dir alles zu. Patrick und ich besetzen die Schaltstationen im zentralen Mittelfeld.

Ich fange in dieser Phase mehrere Abstöße im Vorwärtsgang ab und kann zwei, drei Angriffe einleiten. Dazu ein unglaublicher Henne, der sich wie Steve mit diesem Spiel in die Erinnerung der Gohglmohscher und auch in meine einbrennen wird. Noch weiß er nicht, dass nach seiner Vorlage für Steve noch zwei weitere folgen werden. Steve wird noch Jahre später von „seinem Henne“ schwärmen.

Gohglmohsch selbst ist in dieser Phase nicht wiederzuerkennen. Kaum ein Ball überquert die Mittellinie. Die Überlegenheit ist drückend.

Nach fünfunddreißig Minuten passt Heiko im linken Mittelfeld auf Steve, der sich gut gegen drei Gegner durchsetzen kann und aus etwa zwanzig Metern von halblinks ins rechte untere Eck trifft. 4:1 und jetzt werden die letzten Minuten der ersten Halbzeit endgültig zur Hennig-Brenner-Show.

Mit hohem Tempo geht es weiter. Jörg leitet im Mittelfeld den Angriff ein, Pass auf Steve, der links allein auf die Grundlinie zuläuft. In der Mitte steht völlig frei Heiko Hennig. Steve sieht stattdessen mich auf rechts mitlaufen, aber seine Flanke ist für mich unerreichbar.

Als nächstes hämmert Hervé aus sechzehn Metern völlig unbedrängt einen Direktschuss in die Wolken. Oh Mann.. Hervé!

Kurz darauf ist es wieder Hervé, der einen herrlichen Angriff über Steve, Scholle und Patrick mit einem tollen Achtzehn-Meter-Heber aufs linke Dreiangel abschließt. Seine beste Szene im ganzen Spiel. Glänzend auch Jens Steinhardt, der im letzten Moment die Fingerspitzen dran hat.

Es geht nur noch in eine Richtung. Wieder kann ich im zentralen Mittelfeld weit in der Gohglmohscher Hälfte die Bälle abfangen und nach vorn treiben. Jeder läuft jetzt für jeden. Mit unglaublicher Power. Andi wird das, was hier passierte, später das totale Pressing nennen.

Und Jungs, nicht locker lassen! Es geht nicht gegen Irgendwen. Es geht gegen Gohglmohsch!

Vierzigste Minute. Nach einer schnell gespielten Kombination über mich und Heiko schießt Steve aus fünfzehn Metern, aber erneut hält der Gohglmohscher Keeper, der sich jetzt längst gefangen hat.

Das 5:1 kann er nicht verhindern. Es ist die letzte Minute der ersten Halbzeit. Auf rechts geht Scholle in einen von Frank Henn getretenen Freistoß, spielt sofort weiter auf Heiko Hennig, der von rechts allein aufs Tor läuft, Kersten Guthke aussteigen lässt und wieder uneigennützig den Ball zu Steve spielt. Steve zaubert ihn gegen die Laufrichtung des Torhüters mit stoischer Ruhe ins rechte untere Eck. Es ist ein echter Hattrick und Heiko und Steve spielen sich in diesen Minuten unsterblich. Als Walter Schneider im Torjubel zur Halbzeit pfeift, sind wir wie in einem Rausch.

5:1 zur Halbzeit. Einfach unglaublich. Gegen Gohglmohsch!! Es war nicht zu fassen, mit welcher Power wir sie niedergewalzt hatten. Nichts war zu sehen von Albrecht, der gegen Scholle einfach keinen Stich sah oder von Steffen, der in einem nur virtuellen Mittelfeld seiner Mannschaft nicht wirklich ein Bein auf den Boden bekam.

Wir haben Jahre später viele Spiele und Turniere mit Steffen gespielt und seine faszinierende Übersicht und Ordnung beim Spielaufbau und seinen Sinn für taktische Disziplin erlebt, als er einer von uns wurde. Jetzt lag seine Mannschaft beinahe hoffnungslos zurück und an ein Wunder würde er nicht glauben. Aber ich kannte ihn als großartigen Spieler und wusste, dass er dieses Spiel nicht aufgeben würde.

Zur zweiten Halbzeit kam Gerald Lange, den Andy vom SV Lindenau 1848 eingeladen hatte für den unglücklich agierenden Hervé ins Spiel. Gerald war mit seinen damals vierunddreißig Jahren ein absoluter Routinier, ruhig, souverän und stellungssicher in der Defensive. Tobias besetzte für Scholle, der mit dem VfL am Nachmittag ein Pflichtspiel hatte, die rechte Verteidigerposition.

Als wir rausliefen, dachte ich in Erinnerung an das Desaster im Mariannenpark: Weiter Gas geben! Die müssen jetzt restlos versenkt werden.

Die zweite Halbzeit beginnt zunächst so, wie die erste aufgehört hatte. Pressing. Die Mannschaft wirkt weiter geschlossen. Vor allem Patrick hat jetzt eine ganz starke Phase, brilliert durch Übersicht und gescheite Pässe im Mittelfeld, wenngleich er oft in die Breite spielt und damit ungewollt das Tempo herausnimmt. Wir bleiben dennoch überlegen. Daran ändert auch ein Tempogegenstoß über Nazim nichts, den Leonard noch klären kann. Allerdings im letzten Moment.

Im Gegenzug ein Steilpass von mir in die rechte Gasse auf Holm, der sofort ein paar Meter gewinnt. Als er kurz vor der Grundlinie in die Mitte flanken will, verspringt ihm der Ball.

Dann entwickelt sich langsam ein offenes Spiel, Gohglmohsch spielt jetzt schneller. Steffen wird aktiver, hat mehr Ballkontakte und öffnet das Spiel. Die anderen versuchen mitzuziehen.

Nach fünfzig Minuten ist es wieder Leonard, der gegen den endlich befreiter aufspielenden Albrecht die Situation bereinigt..

Fünf Minuten später. Albrecht läuft halbrechts nach stark von Tobias bedrängt auf Fischi zu. Sah nach Abseits aus, aber Tobias kann im allerletzten Moment noch dazwischengehen. Spätestens jetzt wird klar, dass der Einbahnstraßenfußball ein Ende hat. Gohglmohsch schlägt jetzt endlich zurück.

Während nur Augenblicke später Heiko nach Alleingang aufs Tor vor dem finalen Pass zum mitgelaufenen Holm vom Ball getrennt wird, hat im Gegenzug Nazim doch noch seinen zweiten großen Auftritt. Auf rechts lässt er mit einer einzigen Körperbewegung Andi aussteigen und spielt in die Strafraummitte, wo Albrecht vor Tobias den Ball zum 5:2 ins Tor spitzelt. Es war die sechzigste Minute und es ist noch eine halbe Stunde Zeit.

Jetzt ruhig bleiben und konzentriert weiterspielen! Die dürfen gar nicht auf die Idee kommen, dass hier noch was geht. Passt auf Steffen auf!

Unsere Antwort kommt. Leonard fängt einen Gohglmohsch-Angriff vor der Abwehr ab und leitet meine beste Szene nach der Pause ein. Nach einem kurzen Antritt kann ich mich gegen drei Verteidiger durchsetzen und habe das sechste Tor auf dem Fuß, bevor im letzten Moment Frank Henn den Ball zur Ecke klärt.

Für mich ist Frank Henn neben Steffen Gohglmohschs bester Mann.

Das Spiel, in dem man beiden Teams langsam das hohe Tempo der ersten Hälfte anmerkt, wird für einige Minuten zerfahren. Es wird unruhig und im Mittelfeld Klein-Klein gespielt. Die Unruhe in unserem Spiel verstärkt sich durch zwei weitere Wechsel. Für den angeschlagenen Jörg kommt Uwe Klinkicht ins Mittelfeld und nachdem sich auch noch Gerald Lange am Knie verletzt, kommt Hervé wieder zurück.

Nazim und Steffen treiben Gohglmohsch zurück ins Spiel. Noch fünfzehn Minuten. Jetzt bloß kein 3:5.

Noch einmal versucht es Albrecht nach Pass von Konrad Boche, aber in aussichtsreicher Position verspringt ihm der Ball. Und es ist wieder Leonard, der die Situation klärt. Auf der anderen Seite sprintet Holm in einen Fehlpass des eingewechselten Meigl Hoffmann, übersieht die völlig frei in der Mitte stehenden Steve und Heiko und vergibt so die riesen Chance, endgültig alles klar zu machen.

Die Schlussphase des Spiels hat längst angefangen. Noch einmal gibt es Torszenen. Zunächst für uns.

Bei einem Fünfundzwanzig-Meter-Freistoß von Leonard muss Jens Steinhardt vor den heranstürmenden Holm, Heiko und Steve nachfassen.

Noch einmal werden die letzten Kräfte mobilisiert. In einem klasse Auftritt erkämpfe ich verbissen den Ball im Mittelfeld und werde nach einem Alleingang erst durch ein Foul von Mario Hamerla an der Strafraumgrenze gestoppt. Schneider, der sonst die Partie souverän im Griff hat, lässt weiterlaufen.

Steve, der mindestens sechzig Minuten am Limit gespielt hat und weite Wege ging, gibt bei zwei Steilpässen jeweils entkräftet auf. Der erste kam von mir. Der zweite von Uwe, der Jörgs Regiequalitäten zwar nicht ersetzen kann, aber schnell eine Bindung zum Spiel findet.

Noch fünf Minuten.

Unsere letzte Großchance hat Holm, der im Durcheinander der Schlussoffensive den Ball aus fünf Metern nicht im Tor unterbringen kann. Mensch, Holmi.. Das gibt’s doch gar nicht!

Und dann wäre es beinahe noch dramatisch geworden.

Es ist die siebenundachtzigste Minute. Gohglmohsch greift an. Herrlich über Albrecht, dann traumhaft von Konrad Boche auf „Toto“ Radny. Und während Tobias zu aller Entsetzen das von Andy inszenierte Abseits aufhebt, hämmert Toto aus elf Metern den Ball ins rechte Dreiangel. Unhaltbar für Jens Fischer - und nur noch 5:3.

In den letzten Sekunden sind wir wie gelähmt. Steffen dreht noch einmal auf und Gohglmohsch überläuft eine Minute vor Schluss überfallartig das von uns so lange beherrschte Mittelfeld. Es wird DIE riesen Chance. Der Ball kommt über Felix Schneider glänzend von Wolf Laurisch zu Nazim, der aus sechzehn Metern halbrechts mit einem Drehschuss abzieht. Aber Fischi lenkt den Ball in allerletzter Sekunde mit der rechten Hand vor den heranstürmenden Toto und Felix Schneider zur Ecke.

Tief durchatmen. Nicht auszudenken, was hier losgegangen wäre, wenn dieser Ball drin ist.

Wenig später ist es Walter Schneider, der uns mit seinem Schlusspfiff erlöst. Es bleibt beim 5:3. Aber das Spiel hätte keine zehn Minuten länger dauern dürfen.

Die Jungs haben gekämpft. Mit vollem Einsatz. Nur so konnte es gehen. Und ich kann es nicht glauben. Gohglmohsch! Wir haben die echt geschlagen! In der ersten Halbzeit sogar regelrecht an die Wand gespielt. Jetzt liegen wir uns glücklich in den Armen. In mir bebt es.

Es gibt faire Gesten und shake hands. Und auch Steffen kommt auf mich zu. Ich weiß, das hätte am Ende noch anders laufen können. Wir umarmen uns im Mittelfeld. Vielleicht ist es der Beginn unserer Freundschaft. Ich würde so gerne nochmal hören, was er damals zu mir gesagt hat.

Am Abend sitzen wir alle bei Bier und Rotwein im Markt Neun, der damaligen Gohglmohsch-Residenz. Rustikale Holzbänke, überall stehen Kerzen. Auch Steffen, Meigl, Kersten, Albrecht und Zarate sind da. Und Meigl ist an diesem Abend ein fairer Sportsmann. Immer wieder muss Steve seine Tore erzählen. Nach drei Spielen für uns sind es jetzt zehn. Und immer wieder fällt der Name seines überragenden Scorers.

Wir hatten unser bis dahin wichtigstes Spiel gewonnen. Was in den nächsten Jahren kommen würde, wusste keiner von uns. Kein Weg war uns vorgegeben. Wir müssen ihn selbst suchen. Aber mir war nicht bange. Wir haben zwei Helden. Und so viele Helfer. Wir finden jeden Weg!

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