21. Kleinfeld-Turnier
(2. Hallenturnier des Reisebüros Kiefer)
27. Februar 2003, Sporthalle Arno-Nitzsche-Straße
(4 Feldspieler plus Torwart, 1 x 15 min, 7 Mannschaften, jeder gegen jeden)
FC Waldstraßenviertel - Dream Girls 1:5
Tor: Steffen Naumann
FC Waldstraßenviertel - Die Gemischten 0:1
FC Waldstraßenviertel - Dream Team 7:2
Tore: Steve Brenner (2), Andreas Seidel (2), Boris Röhricht, Oliver Wolfram, Timo Naumann
FC Waldstraßenviertel - AT-Team 4:3
Tore: Steve Brenner (2), Timo Naumann, Andreas Seidel
FC Waldstraßenviertel - Die Töpfer 2:2
Tore: Timo Naumann, Andreas Seidel
FC Waldstraßenviertel - Flotte Tiger 2:3
Tore: Timo Naumann, Andreas Seidel
5. Platz
FCW mit: Boris Röhricht - Andreas Seidel, Timo Naumann, Oliver Wolfram, Steffen Naumann, Steve Brenner
Spielbericht
Ohne zwei
Anfang Februar Zweitausenddrei ist es in Leipzig noch eisig kalt. Immer mal um die minus zehn Grad. Eben das typische Winterwetter. Plötzlich aber kamen in der Mitte des Monats frühlingshafte Temperaturen. Es wurde mit einem Schlag warm. Wie aus dem Nichts hatten wir plötzlich dreizehn Grad plus. Und mit Abstand der wärmste Tag war der siebenundzwanzigste Februar.
Wir spielen an diesem Tag unser einundzwanzigstes Kleinfeldturnier.
Das Turnier kam kurzfristig durch Albrecht zustande, der mich vier oder fünf Tage vorher anrief. Ich freue mich ja immer, wenn jemand anders mal die Initiative ergreift. Aber ganz schön knapp, um noch eine Truppe auf die Beine zu stellen.
Trotzdem hatten wir im Handumdrehen acht Zusagen.
Beginn war früh am Morgen in einer relativ alten Sporthalle in der Leipziger Arno-Nitzsche-Straße. Gleich neben der Schwimmhalle. Als wir ankommen, wirkt für die hohen Teilnahmegebühren vieles planlos und improvisiert. Alles irgendwie unter aller Kanone. Keine richtige Turnierleitung. Kein fertiger Spielplan. Und vor allem gab es keine Schiedsrichter. So was kannst du niemandem anbieten. Die Mannschaftsstärke, so hieß es, sollte eins zu vier sein.
Wir kamen also zu acht. Klingt komfortabel. Prima, dachte ich, wir können die ganze Zeit durchwechseln.
Als wir uns warmspielen, nimmt das Unheil seinen Lauf. Albrecht meint, die Flotten Tiger, einer der Gegner wären nicht genug, um spielen zu können. Albrecht kam schnell auf die Idee, dass zwei von uns bei denen spielen können und bot sich auch gleich selbst dafür an. Wir sind doch genug.
Ich fand, einer reicht. Die können sich ja von woanders noch jemanden leihen. Aber zu meinem Erschrecken hob nun auch noch Jörg die Hand.
Na klasse. Da kommen gleich sechs lange Spiele auf Parkett. Das wird ein einziges Gehetze. Und der schnellste Mann und die Schaltzentrale gehen mal eben von Bord. Ach ja, und plötzlich haben wir auch nur noch einen Wechselspieler.
Als ich protestieren will, raunt mir Jörg zu, dass das hier gut für Steve sei. Der will nach langer Pause wieder zurück in die Mannschaft. Und das ist genau die Gelegenheit dazu.
Andi beschwichtigt. Auch Boris winkt es mit Schulterzucken durch. Steffen, der nun den Lenker in der Hand hat, meint, kommt schon, das kriegen wir hin. Dann werden wir eben mal voll gefordert. Timo und ich runzeln die Stirn. Das hier kann jetzt ungemütlich werden.
Die Halle ist in drei sehr kleine Felder mit Handballtoren aufgeteilt. Damit entwickelt sich ein teilweise sehr schneller Fußball. Vor allem in den ersten drei Spielen.
Im ersten kriegen wir richtig auf die Mütze. Noch ehe wir uns sortiert haben, liegen wir gegen die Dream Girls mit 0:3 hinten. Mit quietschenden Sohlen auf einem höllisch schnellen Parkett. Steffen versucht zu dirigieren, bekommt aber keine Kontrolle ins Spiel. Es gibt kaum Ordnung. Jeder muss hier überall sein. Die sind auch einfach zu schnell, zu beweglich und vor allem nicht ausrechenbar. Weil sie permanent die Seiten wechseln. Timo und ich harmonieren nicht und laufen mehr den Bällen hinterher. Und hinten werden wir regelrecht ausgetanzt.
Und dann noch Steve. Schlagartig bringt er schlechte Laune rein. Er wollte am Anfang ins Tor, wirft aber jetzt nach drei Gegentoren hin. Das hier müsse er sich nicht antun. Das kann gerne jemand anders machen.
Mensch, Steve! Wir sind eine Mannschaft! Irgendwie muss ich an Holland denken. An den August Neunundneunzig. Da hatten wir mit Steve das Gleiche.
Ein Backup haben wir nicht. Andi, Timo und ich kommen für’s Tor eher nicht infrage. Steffen auch nicht. Bleibt nur noch Boris, der sich nun in aller Ruhe das graue Trikot überzieht.
Für Minuten kommen wir zurück ins Spiel. Steffen verkürzt mit einem satten Schuss aus der Halbdistanz. Timo und ich haben einen Traumdoppelpass. Den kannst du in der Sportschau zeigen. Wenn ich ihn nicht gegen den Pfosten gesetzt hätte. Auch Andi trifft kurz danach nur das Holz. Wir haben das berühmte Momentum. Aber als Timo im Strafraum gefoult wird, gibt es keinen Schiedsrichter. Und auch keinen Neunmeter.
Der hätte alles nochmal spannend gemacht.
In den beiden letzten Minuten werfen wir alles nach vorn. Andi verteidigt allein und wir werden noch zwei Mal ausgekontert.
Auch im zweiten Spiel wird es nicht besser. Unser Gegner, die Gemischten bieten nur einfache Hausmannskost. Ohne Power. Und ohne großen Zauber. Aber sie sind ruhig und ballsicher. Die scheinen die Halle zu kennen. Sie laufen nicht viel. Aber jeder steht genau dort, wo er zu stehen hat. Und genau damit machen sie uns das Leben schwer.
Keine Ahnung, warum wir die nicht ausspielen können. Wir sind schneller, wir haben Ideen und der Ball läuft, aber wir kriegen keine Chancen. Kann doch eigentlich nicht sein. Bei dieser kleinen Halle.
Timo wird in klassische Manndeckung genommen. Ich kann mich nicht erinnern, in der Halle sowas schon mal gesehen zu haben. Im Grunde ist er damit raus. Auf dem Feld sieht es jetzt aus wie ein Drei-gegen-Drei. Es ist jede Menge Platz, aber immer noch keine Chancen. Steffen ist nicht der Mann für die Brechstange. Andi auch nicht. Und Steve und ich reiben uns in Zweikämpfen auf.
Erst am Ende überschlägt sich alles. Nach einer riesen Chance für Andi, die der Keeper klasse mit dem Fuß pariert, werden wir hinten überrannt. Boris kann nach einem Drei-gegen-Eins einen Schuss nur nach vorn abwehren. Der erste Nachschuss geht mit voller Wucht gegen die Latte. Und der zweite in die Maschen.
Nach den ersten beiden Niederlagen, von denen mich vor allem die zweite wurmte, war das Turnier für uns gelaufen.
Der Druck ist raus. Das hier können wir nicht mehr gewinnen. Bis auf Steffen, der immer noch Optimismus verbreitet haben alle hängende Köpfe.
Aber siehe da, plötzlich kommen wir besser ins Spiel.
Als erstes bekommt das Dream Team unseren Frust zu spüren. Steve und Timo sind wie ausgewechselt. Steve macht gleich die ersten beiden Buden. Aber vor allem Timo dreht auf. Er bereitet fast alle Tore vor und setzt am Ende selbst den Schlußpunkt zu einem nie gefährdeten 7:2.
Geht doch! Sagt Steffen. Wir sind wieder da. Und mit vollem Rückenwind schlagen wir auch das AT-Team, wenn auch knapp mit 4:3. Und Steve trifft wieder zwei Mal. Aber das Ding war umkämpft. Hart und nickelig von Anfang an. Mit Haken und Ösen. Steffen unterbricht kurz das Spiel und erinnert daran, dass wir hier alle wieder heil vom Feld wollen. Trotzdem, wir halten voll dagegen. In unserem heute vielleicht besten Spiel. Boris ist es am Ende, der uns in einem Eins-gegen-Eins mit einer Fußabwehr rettet.
Vier Spiele sind durch. Zwei Siege und zwei Niederlagen. Geht hier doch noch was? Steffen will jetzt keinen Rechenschieber. Wir hauen einfach bis zum Ende alles rein. Und schauen dann, was noch geht.
Gegen die Töpfer wird es turbulent. Wir sind drückend überlegen. Haben riesen Chancen. Vor allem Andi, Timo und ich. Aber es nützt uns nichts. Wir sind einfach nicht kalt genug. Hier hätten wir gewinnen müssen.
Alle vier Tore fallen gleich in der Anfangsphase. Zwei für uns durch Timo und Andi, der beim 2:1 den Keeper sogar noch auf der Torlinie ausspielt. Danach ist es kaum zu fassen, was wir alles liegenlassen. Links und rechts kracht es ans Gebälk. Auch Timo hat jetzt die Seuche an den Hacken. Drei oder vier klare Dinger. Aber Andi toppt uns alle. Kurz vor Ende macht er den Gomez gegen Österreich. Ich glaube es nicht. Am Ende nur ein 2:2 und unsere Gegner liegen sich in den Armen.
Das war sie. Unsere Chance, hier nochmal ranzukommen.
Am Ende noch das Duell gegen die Flotten Tiger mit Jörg und Albrecht. Im Grunde ist es bedeutungslos. Aber schon ein komisches Gefühl, gegen zwei von uns zu spielen.
Das Spiel beginnt ausgesprochen langsam. Ballgeschiebe und vorsichtiges Abtasten. Die sind super organisiert. Und unglaublich ballsicher. Mit klasse Raumaufteilung. Da ist kaum ein Durchkommen. Steffen und ich versuchen es aus der Distanz. Dann bricht Timo zweimal durch. Einmal macht er es selbst und einmal schiebt er quer zu Andi und wir führen nach der Hälfte des Spiels mit 2:0.
Aber dann drehen die auf. Vor allem Jörg. Er ist unglaublich stark. Spielte er nicht gegen uns, wäre es fast eine Freude, ihm zuzusehen. Wie elegant er den Ball führt. Und wie er schaltet und waltet. Und die Bälle verteilt. Das kann er heute wie kaum ein anderer.
Der Rückstand war nur die Zündung. Längst sind die uns überlegen. Timo, Steffen, Andi und ich stemmen uns dagegen. Auch Boris hält, was zu halten ist. Aber dann hauen sie ihm die Bälle um die Ohren. Der arme Kerl. Dreimal in fünf Minuten. Ach ja, und wer macht noch gleich die Tore? Kann man sich eigentlich denken. Albrecht zwei und Jörg das dritte!
Am Ende werden wir Fünfter. Klingt nicht dolle. Bei sieben Mannschaften. Andi und Steffen sind sich einig. Wir waren besser als unsere Ergebnisse. Zwei, drei Mal hat einfach das Glück gefehlt. Oder der letzte Wille. Vielleicht auch ein Steve mit guter Laune.
Während wir den vielen vergebenen Chancen hinterhertrauern, bringt es Steffen dann mit kurzen Sätzen auf den Punkt. Nicht vorn, sondern im Spiel gegen den Ball hätten wir die Spiele verloren. Wir konnten auch kaum wechseln. Und ja, auch Jörg und Albrecht haben gefehlt.
Steffen selbst hat versucht, immer wieder Ordnung ins Spiel zu bringen. Vor allem ins Spiel ohne Ball. Steffen hat sein eigenes System. Wir müssen kompakt stehen. Greift den ballführenden Gegner erst ab der Mittellinie an! Darüber hinaus hat er das Spiel wie gewohnt von hinten aufgebaut und war immer anspielbar. Ein guter Anführer.
Und ich? Mir waren die knapp vier Wochen ohne Training anzumerken. Nach dem Turniersieg in Engelsdorf hatte ich an keinen Ball mehr getreten. So bekam ich wenig Bindung zum Spiel. Auch konditionell hatte das nichts mit früheren Zeiten zu tun. Wie schon so oft in den letzten beiden Jahren habe ich mir für die Zukunft viel vorgenommen. Mehr trainieren. Mehr tun. Ich merke jetzt deutlich, dass ich nicht ewig von der Vergangenheit zehren kann.
Neben Greta, die wie immer aufmerksam die Spiele verfolgt, war erstmals auch mein Söhnchen Victor mitgekommen. Jetzt ist er dreieinhalb. In den Spielpausen ist er zu meiner Freude viel mit einem kleinen Gummiball unterwegs gewesen. Auf jeden Fall ein Hoffnungsschimmer.