Zur Historie

23. Kleinfeld-Turnier

(Kleinfeld-Jubiläumsturnier „Zehn Jahre FC Waldstraßenviertel“)

28. Juni 2003, Stadion des Friedens Leipzig

(6 Feldspieler plus Torwart, 2 x 8 min, 8 Mannschaften, jeder gegen jeden)

FC Waldstrassenviertel – Jura Mix 3:0

Tore: Timo Naumann (2), Kai Werner

FC Waldstrassenviertel – Be Quick Groningen 1:0

Tor: Andreas Seidel

FC Waldstrassenviertel – Leipziger Allerlei 1:0

Tor: Jens Fischer (Handstrafstoß)

FC Waldstrassenviertel – Bertkower SC 4:2

Tore: Uwe Heine (3), Oliver Wolfram

FC Waldstrassenviertel – El Amir 2:0

Tore: Kai Werner, Timo Naumann

FC Waldstrassenviertel – FCW History Team 5:2

Tore: Andreas Seidel, Timo Naumann, Kai Werner, Oliver Wolfram, Uwe Heine

FC Waldstrassenviertel – Gohglmohsch 2:1

Tore: Uwe Heine (2)

Turniersieg!

FCW mit: Jens Fischer, Boris Röhricht, Jörg Voigtmann, Andreas Seidel, Oliver Wolfram, Timo Naumann, Kai Werner, Uwe Heine

FCW History Team mit: Thomas Lehmann (Erik Gowin), Thomas Kott, Peter Freude, Peter Teichmann, Tobias Kluge, Olaf Sommermeier, Uwe Klinkicht, Steve Brenner

Spielbericht

Fußballfest

Wir schreiben Juni Zweitausenddrei. Zehn Jahre ist es her, seit es im Mai dreiundneunzig alles angefangen hat. Mit uns, mit unserem FC Waldstraßenviertel. Zehn Jahre mit großen Momenten und denkwürdigen Spielen. Vieles werde ich niemals vergessen. Die dramatischen Neunmeterschiessen und nicht zuletzt die Reisen nach England und Holland.

Zehn Jahre FC Waldstraßenviertel. Zeit für ein kleines Jubiläum.

Als wir Anfang Februar nach dem Sieg beim Engelsdorfer Hallenturnier zusammensaßen, war klar, zu unserem Jubiläum werden wir ein eigenes Turnier ausrichten. Bis hierher war es ein langer Weg gewesen. Jetzt wollten wir Fußball spielen, feiern und auch ein wenig zurückdenken.

Wenige Wochen später kamen Fischi, Jörg, Andi, Uwe Klinkicht und Timo abends bei mir zusammen, um alles das erste Mal durchzusprechen. Schnell wurde klar, das würde viel Aufwand bedeuten, Zeit und vor allem Geld kosten. Noch dazu gab es schon nach wenigen Minuten zwei grundverschiedene Meinungen über Ablauf und Umfang des Turniers: Meine und die der anderen.

Während mir ein großes ungewöhnliches Turnier mit offener Ausschreibung und Dramatik versprechendem Modus vorschwebte, hoben Fischi und Jörg den Charakter des Feierns in den Vordergrund. Maximal acht Teams und so wenig Aufwand wie möglich, meinte Jörg. Nur mit Mannschaften, mit denen wir in der Vergangenheit etwas zu tun hatten, Leute mit denen wir feiern konnten. Im Grunde ginge es doch vor allem um das gemeinsame Zusammensitzen bei Bier und Grill. Timo, Andreas und Uwe schlugen sich schnell auf die Seite von Jörg und Fischi.

Damals habe ich nicht verstanden, warum alle nach etwas Gewöhnlichem und Austauschbarem suchten.

Heute bin ich dankbar, dass wir diesen Weg und nicht meinen gewählt haben, denn es wurde nichts Gewöhnliches. Es wurde ein wunderschönes Turnier.

Mit den Vorbereitungen mussten wir bald beginnen. Wir brauchten zuallererst ein Stadion, wir brauchten Zelte, Tische und Bänke und eine Lautsprecheranlage. Außerdem eine Vielzahl von Kleinigkeiten. Meine Frau Kornelia bot an, die komplette Verpflegung zu übernehmen. Damit war ein wichtiges Problem gleich zu Beginn gelöst.

Mit dem Stadion war klar, dass es nur einen geben konnte, der uns wieder einmal helfen würde: Helmut Pavlov, der immer zur Stelle war, wenn wir Hilfe brauchten, klärte das schnell und ohne viel Aufhebens: Ich bekam für den achtundzwanzigsten Juni das Stadion des Friedens von seinen Verein Motor Gohlis Nord in der Max-Liebermann-Straße mit Kabinen, Duschen, zwei Zeltpavillons, Festzelttischen und Bänken für mindestens hundert Personen und auch die Lautsprecheranlage über Ralph Tietz, den Stadionverwalter. Und dazu noch drei Schiedsrichter für das gesamte Turnier. Helmut macht nicht viele Worte. Alles war im Handumdrehen geregelt.

Auch die Frage des Geldes war schnell beantwortet: Wir legen alle zusammen und decken alle Kosten aus der eigenen Tasche. Jeder Gast zahlt einen kaum nennenswerten Beitrag von fünf Euro pro Person dazu und hat für das gesamte Turnier Essen und Trinken frei. Das Konzept war schon mal gut und auch ich war zufrieden. Endlich hatten wir etwas, worin sich unser Turnier von allen anderen unterscheiden würde.

Und dann die Mannschaften.

Begrenzt auf acht Teilnehmer mussten wir unsere Einladungen sorgfältig auswählen. Im letzten Jahr waren wir beim Bertkower SC in der Nähe von Stendal sehr herzlich empfangen und bewirtet worden. Die wollten wir unbedingt dabeihaben. Ich telefonierte ein paar Tage später mit Günter Morig, Vereinschef in Bertkow und örtlicher Gerichtsvollzieher. Der sagte sofort zu, obwohl er am gleichen Tag mit seinem Verein noch zwei andere Turniere besetzen musste. Das erste Team stand also fest.

Zarate würde mit seinem Team aus Holland kommen. Von dort war zu hören, dass seine Mannschaft Velocitas Groningen nahezu komplett den Verein gewechselt hatte, der nun Be Quick Groningen hieß. Ich freute mich riesig über seine Zusage. Jetzt waren es schon zwei.

Beim Hauskonzert im Oktober letzten Jahres hatte ich Fritz Schilling mit seiner Frau Annette kennengelernt. Fritz ist Richter und sympathischer Sonntagsfußballer. Er sagte mir zu, mit einem Team aus Anwälten und Richtern zu kommen. Okay, es könne natürlich sein, dass vielleicht der ein oder andere Aktive mit dabei ist. Die Mannschaft würde Jura Mix heißen. Also Nummer drei.

Helmut, der in den Tagen unmittelbar vor dem Turnier wegen Querelen mit seinem neuen Vereinschef bei MoGoNo gekündigt hatte und von mir sozusagen eine wild card hatte, suchte eine zum Anlass passende Mannschaft zusammen, die er Leipziger Allerlei nannte. Jetzt waren es vier und so langsam füllte sich das Teilnehmerfeld.

Hinzu kam das fünfte Team: El Amir, eine mit viel Mühe aber dafür ziemlich farbenfroh von Aris Kalaitzis zusammengewürfelte Mannschaft. Die Basis rekrutierte Yusuf, Nordafrikaner und Besitzer eines Döner-Ladens in der Leipziger Karl-Liebknecht-Straße mit ein paar Freunden. Aris selbst hatte einige Jahre in der Stadtklasse beim FSV Tapfer gespielt. So ungefähr bis vierundneunzig muss das gewesen sein. Das ist lange her, aber ein einmal gelerntes Handwerk verlernt man nicht. In den Tagen vor dem Turnier haben wir noch ein paar Mal telefoniert und ich wusste, dass er Probleme hatte, die Mannschaft vollzubekommen. Aber er ist drangeblieben, vor allem, wie er im Scherz sagte, um unsere erst seit letztem Jahr bestehende Freundschaft „nicht zu gefährden“. Sein Team hatte Exotenstatus und ich bin so froh, dass er dabei war.

Blieb als Nummer sechs noch die Mannschaft, die wohl über die Jahre hinweg so etwas wie unser Erzrivale war. Eine Mannschaft, die in früheren Zeiten viele Kleinfeldturniere beherrscht hatte und die unseren Weg bisher zweimal gekreuzt hatte: das erste Mal beim 1:6 im Oktober vierundneun-zig im Mariannenpark, als wir vorgeführt und am Ende geradezu gedemütigt wurden, das zweite Mal bei der rauschenden 5:3-Revanche zwei Jahre später im Zentralstadion. Ein Jubiläum ohne Gohglmohsch wäre ein Turnier ohne den ständigen Begleiter aus der Ferne gewesen. Ohne das Team, das uns auf unserer Zeitreise am meisten geprägt hat. Dieses Turnier konnten wir nicht ohne Gohglmohsch spielen. Wir würden sie, fast sieben Jahre nach unserem letzten Aufeinandertreffen als unsere Freunde begrüßen. Und als die Klassemannschaft, die sie noch immer waren.

Alt-Gohglmohscher Steffen und Albrecht, die für uns so viele Spiele ge-macht haben und nun zu uns, zum FCW gehörten, wollten noch ein letztes Mal für Gohglmohsch spielen. Noch ein letztes Mal in den gefürchteten schwarz-weiß quergestreiften Jerseys auflaufen. Noch ein letztes Mal dieses unvergessliche „Jeder Gohgl ist ein Mohsch“ rufen. Klar, dass keiner von uns etwas dagegen hatte. So konnten wir sie noch einmal als Original erleben.

Wir selbst würden mit zwei Teams antreten. Neben unserer Mannschaft hatte ich an ein History Team gedacht. Dort würden diejenigen spielen, die unseren Weg in den ersten Jahren begleitet haben. Ich dachte an Peter Teichmann, Thomas Kott, Tobias Kluge, Olaf Sommermeier und Peter Freude, die allesamt zusagten. Steve Brenner, Uwe Klinkicht und Thomas Lehmann sollten als die, die noch heute für uns spielen, die Brücke zur Gegenwart schlagen. Mir war etwas bange um das History Team, wusste ich doch, dass Thomas, Tobias und auch Peter Freude schon seit Jahren nicht mehr regelmäßig gespielt hatten. Das war auf Kleinfeld kaum zu kompensieren.

Der achtundzwanzigste Juni rückte immer näher und in der Klinik in Halle liefen in den Tagen vor dem Turnier die Telefone heiß. Eine ständig wechselnde Flut aus Zu- und Absagen kostete mich einige Nerven.

Besonders hart trafen mich die Absagen von Tünne, Scholle, Christian Muhlack und Matthias Bebobru, die im Falle von Tünne, Christian und Matthias als Gründungsmitglieder schon im Kamerun-Spiel dreiundneunzig dabei waren oder wie Scholle doch immerhin ein ganzes Stück Weg mit uns gegangen sind. Tünnes Eltern feierten am gleichen Tag beide ihren sechzigsten Geburtstag bei Schwerin, wo Tünne gerade in der Chirurgie eines kleineren Krankenhauses arbeitete. Daran gab es kein Vorbei, obwohl Tünne sicher gern gekommen wäre. Scholle musste im schwäbischen Magstadt arbeiten und bekam von seiner Firma kein Frei. Christian hatte Stadtfest in Bernburg und dort mit seiner Klinikmannschaft ein Turnier und schließlich Matthias, den ich mit einiger Mühe in einer Chirurgie in der Nähe von Frankfurt am Main ausfindig gemacht hatte, konnte nicht kommen, weil er dort Dienst hatte.

Ich war froh, als es endlich soweit war.

Es hieß, der achtundzwanzigste Juni würde wechselhaftes und ungewisses Wetter bringen. Regnen könne es auch. Das sei sogar wahrscheinlich. Aber nichts von dem stimmte. Es wurde ein glutheißer Tag.

Morgens noch etwas Aufregung. Ralph Tietz empfing uns gleich als erstes damit, dass es in der letzten Nacht irgendeinen Wasserrohrbruch gegeben hatte. Das klang zunächst belanglos, wurde aber in dem Augenblick interessant, als er uns klar machte, dass wir wegen der abgesperrten Leitung kein Wasser haben würden. Ich sah schon vor mir, wie völlig verschwitzte und ausgelaugte Spieler vergeblich an den Duschhähnen drehten und sich dann aus Verzweiflung Mineralwasser auf den Rücken gossen.

Ruhig bleiben, dachte ich.

Als ich das Turnier eröffnete, waren wir schon ziemlich spät dran. Jede Mannschaft wurde einzeln begrüßt und es kam durch den ständigen Applaus schon zu Beginn eine super Stimmung auf.

Und dann ging es los.

Gleich im ersten Spiel spielte Gohglmohsch unser History Team an die Wand. Bis auf Kersten waren sie alle noch einmal gekommen. Albrecht war wie immer pfeilschnell und gefährlich, vergab aber einige Chancen, Steffen ordnete und dirigierte, Nazim dribbelte und auch Zarate, der nicht für die Holländer, sondern für sein Gohglmohsch spielte, warf sich noch ein letztes Mal in die Schlacht. Dazu Toto, Franky Henn, Tino Elouahidi, Meigl Hoffmann und Mario Hamerla. Sie wirkten organisiert und zogen das Spiel auf wie in alten Zeiten. Wer das Turnier gewinnen wollte, musste auf jeden Fall diese Mannschaft schlagen.

Dann wir. Im ersten Spiel gegen Fritz Schillings Jura Mix. Als es losging, war sofort klar, dass das hier keine behäbigen Sonntagsfußballer waren. Die hier konnten alle mit dem Ball umgehen, spielten schnell und flüssig und hatten eine hervorragende Raumaufteilung. Und außerdem Zug zum Tor. Wir wurden voll gefordert und mussten das Übergewicht regelrecht erkämpfen, hatten auch Torschüsse, kamen aber nicht zu zwingenden Chancen. Das Spiel war unangenehm, weil immer auch die Angst vor einem schnellen Konter mitspielte. Ein, zwei Aktionen noch von Timo und Kai sowie ein Schuss von mir an die rechte Lattenoberkante - und nach torloser erster Hälfte wurden die Seiten gewechselt. Anschließend das gleiche Bild. Guter und schneller Fußball auch über die Flügel. Aber einfach kein Tor. Als alles schon nach einem torlosen Remis im Auftaktmatch aussah, kamen die Tore. Zweimal Timo und einmal Kai räumten alle Zweifel aus und bescherten uns auf den letzten Metern mit einem 3:0 doch noch einen guten Einstieg ins Turnier. Nach dem Spiel war in allen Gesichtern das Gleiche zu lesen: Tief durchatmen. Das hätte gut und gern auch schiefgehen können.

Parallel schlugen auf dem hinteren Feld im Duell der weitgereisten Mannschaften die Holländer den Bertkower SC mit 1:0.

Und genau die Holländer waren unser nächster Gegner.

Groningen ganz in weiß und wieder ein ähnliches Bild. Wieder ein Gegner, der dagegenhielt. Wieder sah es lange Zeit nach einen 0:0 aus. Das Siegtor in der zweiten Halbzeit - eine Koproduktion zwischen Andi und Kai. Andi marschiert von hinten los und geht über die Mitte. An der Strafraumgrenze Doppelpass mit Kai und dann Andis umjubelter Direktschuss zum 1:0-Endstand und zweiten Sieg in Folge. Und in den Gesichtern wieder die gleichen Minen.

Unterdessen zog Gohglmohsch mit seinem zweiten 3:1-Sieg gegen Aris’ El-Amir-Team mit uns gleich. Auch Helmut mit seinem Leipziger Allerlei kam durch ein 2:1 gegen unser History Team zum zweiten Sieg und erwartete uns nun in der dritten Runde auf dem vorderen Feld.

Vielleicht das Schlüsselspiel. Helmut meinte beschwörerisch: „Na, Doktor, ich ahne jetzt ein Fiasko für euch.“ Ralph Tietz selbst war Schiedsrichter, und das hatte Folgen.

Helmuts Mannen in Rot-Blau, spielten routiniert und waren ein starker Gegner. Wieder glichen sich die Bilder. Leichte optische Überlegenheit und gefällige Kombinationen unsererseits. Torgefahr durch Timo mit starken Antritten und Kai mit wuchtigem Spiel nach vorn. Aber wie schon gegen Jura Mix und Groningen lange keine Tore. Fischi steht mehrfach im Brennpunkt und kann einen sensationellen Ball aus Nahdistanz halten. Die Entscheidung für uns dann per Strafstoß. Ein Fünfzehnmeter-Schuss aus der Mitte, ich glaube von Timo, knallt direkt neben mir an den Unterarm eines Abwehrspielers und Ralf Tietz zeigt auf den Punkt. Sofort kam Fischi aus seinem Kasten gelaufen und legte sich den Ball zurecht. Fischi gilt als sicherer Schütze. Kurzer Anlauf. Dann Schuss mit links und Fischi hat mit seinem Ball flach in die Mitte viel Glück, dass der Keeper sich für links entschieden hat. Unter seinem Körper hindurch schlägt es ein. Wieder ein 1:0 kurz vor dem Ende und der dritte Zu-Null-Sieg. Noch dazu gab Gohglmohsch beim 2:2 gegen Groningen überraschend zwei Punkte ab und nach drei Runden liegen wir mit neun Punkten vorn.

Die nächsten Spiele hatten es in sich.

Unser History Team verlor auch sein viertes Spiel. Nach zwischenzeitlichem 0:3 kamen sie gegen die ebenfalls bisher punktlose Mannschaft von El Amir noch bis auf 2:3 heran und hatten am Ende sogar noch mit einem Alleingang auf den Torhüter die Großchance zum Ausgleich. Während Aris über seinen Sieg jubelte, wurden die Gesichter bei Steve und seinen Mannen immer länger. Die ersten Auflösungserscheinungen machten sich breit und Jörg musste beschwichtigen. Soweit ich die Spiele beobachten konnte, waren die Niederlagen oft unglücklich. Jetzt waren sie weit abgeschlagen und mir tat das sehr leid. Ich hoffte, sie würden irgendwo doch noch wenigstens einen Punkt holen.

Zu meiner Erleichterung gab Ralph Tietz Entwarnung mit dem Wasser.

Große Überraschung dann auf dem vorderen Feld. Helmut schlägt mit seiner Mannschaft Gohglmohsch klar mit 3:0 in einem klasse Spiel. Auch die Holländer verspielen mit einem unerwarteten 0:3 gegen Fritz Schillings Anwälte alle Chancen auf den Turniersieg. Der Weg schien geebnet. Aber um Helmut auf Distanz zu halten, mussten wir jetzt den Bertkower SC schlagen.

Das Spiel war wieder gutklassig und Bertkow der erwartet starke Gegner. Kantige Typen mit robustem, fairen Spiel, vor allem aber mit guter Raumaufteilung. Und hoch motiviert, uns zu schlagen. Das Spiel wogt hin und her und wird zum offenen Schlagabtausch. Erstmals geraten wir mit 0:1 in Rückstand. Nach Uwes Ausgleich legt Uwe gleich selbst nach und bringt uns mit einem sehenswerten Hackentor in Führung. In einem Konter bedient mich Kai von rechts mustergültig, so dass ich den Ball nur noch über die Linie des leeren Tores drücken muss. Uwe selbst, der sehr beweglich spielte und stets anspielbar war, macht danach sein drittes Tor zum 4:1 und wird so zum Matchwinner. Das 4:2-Gegentor kurz vor Schluss spielte keine Rolle mehr. Drei Runden vor Schluss haben wir zwölf Punkte. Helmuts Allerlei hat acht, Gohglmohsch sieben, Bertkow und Jura Mix jeweils sechs.

Im fünften Spiel würden wir mit Aris und El Amir die Klinge kreuzen.

Scheinbar eine klare Sache, aber das Spiel entwickelt sich anders. Es ist von Anfang an offen. Die drei Nordafrikaner des Gegners sind am Ball brillant, dribbeln stark und können auch den Ball halten. Aris selbst spielt ruhig und souverän, ohne freilich offensive Akzente zu setzen. Wir haben Mühe mit dem unorthodoxen und unberechenbaren Spiel, das Aris, Yusuf und seine Freunde jetzt aufziehen. Unsere optisch gefälligere Spielweise bringt das gewohnte Übergewicht, aber nichts Zählbares. Wir wirken nicht so kompakt und sicher wie in den Spielen zuvor und haben noch dazu Glück, dass die Afrikaner oft nicht den besser postierten freien Mann suchen. Als bereits eine Überraschung in der Luft liegt, fällt das 1:0 für uns durch Kai, der von rechts kommend, dem herausstürzenden Torhüter den Ball durch die Beine schiebt. Das Spiel droht jetzt hektisch zu werden. Die ersten Fouls kommen auf und es wird gezogen und gehalten. Mitte der zweiten Halbzeit wird Kai mit Ball im vollen Lauf quer vor der Abwehr attackiert. Zwischen Foul und gespieltem Ball ist schwer zu unterscheiden, aber Kai selbst, der nie klagt, meint, dass es ein klares Foul war. In einer überhitzten Situation protestiert sein Gegenspieler Andreas Ringel, den ich zu El Amir vermittelt hatte, beim Schiedsrichter. Den fälligen Freistoß kann er nicht verhindern, der indirekt ausgeführt nach Flanke auf Timo zum 2:0 führt. Der Sieg ist nicht unverdient, aber auf jeden Fall glücklich.

Auch Gohglmohsch (3:0 gegen Bertkow) und Leipziger Allerlei (2:1 gegen Jura Mix) erhalten sich mit Siegen ihre Minimalchance auf den Turniergewinn, während unser History Team auch das fünfte Spiel gegen die Holländer mit 1:3 verliert.

Im Auftaktmatch der sechsten Runde schlagen die gerade von Gohglmohsch besiegten Bertkower überraschend Helmuts Team mit 1:0, so dass uns ein Sieg gegen unser History Team bereits vor dem Showdown mit Gohglmohsch den Turniersieg bringen würde.

Als das Spiel beginnt, heißt es zum ersten Mal FCW gegen FCW. Das Spiel in der brütenden Mittagshitze beginnt statisch. Es ist fast Standfußball. Ein seltsames Gefühl, gegen die eigenen rot-schwarzen Trikots zu spielen.

Mit den beiden Toren von Andreas und Timo zum 2:0 ruckt das Spiel dann plötzlich an. Lehmo, der inzwischen draußen spielt, Peter, Steve und Tobias kämpfen tapfer und halten dagegen. Tobias’ Sohn Erik ist im Tor und verhindert mehrfach Schlimmeres. Steve entwickelt aus der ungewohnten Defensive heraus mit Lehmo das Spiel und hat oft das richtige Auge für den freien Mann. Es ist kein schönes Gefühl, gerade das Spiel gegen die eigenen Leute gewinnen zu müssen.

Über die Stationen 2:1, 3:1 und 3:2 geht es für Momente sogar in eine spannende Schlussphase. Mit dem Gedanken an ein mögliches Unentschieden und dem dann drohenden echten Endspiel gegen Gohglmohsch gelingt mir nach Flanke von links aus Nahdistanz das 4:2, bevor Uwe nach Dribbling mit Linksschuss den 5:2-Endstand herstellt.

Es ist ungefähr um drei Uhr nachmittags, als der Kreis sich schließt. Neun Jahre nach dem Debakel im Mariannenpark und sieben Jahre nach unserem Sieg im Zentralstadion steht jetzt das dritte und wahrscheinlich letzte Aufeinandertreffen mit Gohglmohsch unmittelbar bevor. Meine Gedanken kreisen zwischen Nicht-verlieren-wollen und torreichem Unentschieden. Es geht nicht mehr um den Turniersieg. Als wir zusammen den Rasen betreten, ist die Atmosphäre herzlich. Fast alle kennen sich und es gibt Umarmungen und viele Shakehands. Ohnehin war klar, dass dieses letzte Spiel schwarz-weiß gegen blau-schwarz kommen würde.

Es wird ein Klasse-Spiel, weil sich keiner vor dem anderen versteckt und beide offensiv ausgerichtet sind. Im Mittelfeld verteilen Steffen auf der einen und Jörg auf der anderen Seite die Bälle. Trotz der Hitze viele gelungene Pässe und Flankenwechsel. Andreas elegant im Vorwärtsgang, Boris immer deckungstreu und zweikampfstark. Kai und Timo sind brandgefährlich und spielen die ersten Chancen für uns heraus. Auch Uwe wieselt ununterbrochen auf halblinks. Wir dürfen auf keinen Fall hinten aufmachen. Alle wissen, wie schnell Albrecht und Zarate sind und dass man Ihnen keine Räume geben darf. Ich ziehe mich zurück und spiele gegen Albrecht, der sich oft auf die Außenposition zurückzieht, um dann überfallartig in den Rücken unserer Abwehr zu laufen. Fischi, der die Lücken sieht, dirigiert von hinten. Das Spiel ist leichtfüssig und eine Freude, es anzusehen. Ein Feuerwerk auf Kleinfeld und ein würdiges letztes Turnierspiel. Das erste Tor dann noch in der ersten Halbzeit. Der überragende Uwe läuft in einen Pass von mir auf halblinks in die Gasse und macht mit dem Außenrist ins lange rechte Eck das 1:0. Riesenjubel und wir führen gegen Gohglmohsch! Jetzt gibt es kein Halten mehr. Torszenen auf beiden Seiten und auch Fischi riskiert mehrfach Kopf und Kragen. Das 1:1 fast mit Ansage in einer Druckperiode. Steffen marschiert über die Mitte auf unseren Strafraum zu und erzielt nach glänzendem Doppelpass per Flachschuss den Ausgleich. Für den geschlagenen Fischi kann ich den Ball nicht mehr von der Linie schlagen. Jetzt ist alles wieder offen und Gohglmohsch versucht alles. Immer wieder treiben Mario Hamerla und Steffen aus dem Mittelfeld die Bälle auf uns zu und suchen Albrecht, der aber genau wie Nazim nie richtig in Szene gesetzt wird. Im Gegenzug suchen Kai und Timo durch schnelle Konter die Entscheidung, die dann auch fällt. Kurz vor Schluss nach einem langen Ball auf die linke Grundlinie, den Timo noch erreicht. In den glänzend zurückgespielten Pass läuft Uwe, der den Ball in die Maschen jagt. Yeah!!

Der Rest ist Freudentaumel nach einem großartigen Kleinfeldspiel, dass keinen Verlierer verdient hatte. Wenn dies wirklich das letzte Spiel von Gohglmohsch war, so war es trotz der Niederlage ein würdiger Abschied.

In der Nachmittagssonne am Festzelt dann die Siegerehrung. Wir haben allen gedankt, die unserer Einladung gefolgt waren.

Die von Jörg angefertigte goldene Ananas bekam nach sieben Niederlagen Peter Teichmann für unser History Team, das einem natürlich leidtun konnte. Peter nahm sie mit Humor. Torschützenkönige wurden Mario Hamerla von Gohglmohsch, Detlef Bader von Jura Mix und unser Uwe Heine mit jeweils sechs Toren in sieben Spielen. Es war eine super Stimmung, so dass die Moderation für mich eine dankbare Aufgabe war.

Und als Andi, unser Käpt‘n dann endlich den Pokal für uns in die Höhe hob, war es für mich ein Gänsehautmoment. Ich glaube, es sind diese Augenblicke, die man am Ende in Erinnerung behält.

Auch Helmut gratulierte uns mit einem Pokal und einem Fußball zu unserem zehnjährigen Jubiläum. Seine Worte waren kurz und einfach, aber jeder merkte, dass sie von Herzen kamen. Helmut ist eben Helmut. Und er ist ein Original.

Das Turnier klang aus bei Bier und Grill. Kornelia hatte mit viel Mühe und Jana Klinkichts Hilfe das ganze Essen für knapp einhundert Menschen gemacht. Auch die Kinder hatten geholfen und von allen Seiten gab es viel Lob für all die leckeren Sachen unterm Festzelt. Sowas kannst nur Du. Ich danke Dir, Kornelia.

Die weiteren Spiele des Turniers:

FCW History Team – Gohglmohsch 1:3

El Amir – Leipziger Allerlei 0:2

Bertkower SC – Be Quick Groningen 0:1

Leipziger Allerlei – FCW History Team 2:1

Gohglmohsch – El Amir 3:1

Bertkower SC – Jura Mix 2:1

FCW History Team – Bertkower SC 0:2

Be Quick Groningen – Gohglmohsch 2:2

El Amir – Jura Mix 0:1

FCW History Team – El Amir 2:3

Gohglmohsch – Leipziger Allerlei 0:3

Be Quick Groningen – Jura Mix 0:3

Be Quick Groningen – FCW History Team 3:1

Bertkower SC – Gohglmohsch 0:3

Jura Mix – Leipziger Allerlei 1:2

Leipziger Allerlei – Bertkower SC 0:1

Gohglmohsch – Jura Mix 2:1

Be Quick Groningen – El Amir 3:2

El Amir – Bertkower SC 1:3

Leipziger Allerlei – Be Quick Groningen 0:2 (kampflos)

FCW History Team – Jura Mix 0:4

Abschlusstabelle: S - U - N Tore Pkt.

#TeamSUNPunkteTore1FC Waldstrassenviertel70018:5212Gohglmohsch41214:10133Be Quick Groningen41211:9134Leipziger Allerlei4039:6125Bertkower SC40310:10126Jura Mix30411:997El Amir1067:1638FCW History Team0077:220

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