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27. Spiel: 27. August 2003, Sportplatz Goethesteig, Markkleeberg

FC Waldstraßenviertel - Turbine Leipzig (Alte Herren) 6:3

FCW mit: Jens Fischer - Peter Teichmann, Boris Röhricht, Andreas Seidel - Jörg Voigtmann, Oliver Wolfram, Mario Hamerla, Timo Naumann, Kai Werner - Steve Brenner, Albrecht Herold (Uwe Heine)

Tore: Albrecht Herold (2), Peter Teichmann (2), Kai Werner, Boris Röhricht (Foulstrafstoß)

Spielbericht

Schnell abhaken

Siebenundzwanzigster August Zweitausenddrei. Fast am Ende eines langen, heißen und trockenen Sommers. Ein Spiel, über das man wahrscheinlich nicht viele Worte machen sollte. Es kam über Mario Hamerla zustande, in dessen Anwaltskanzlei eine Frau arbeitet, deren Mann, Thomas Fritsch, bei den Alten Herren von Turbine Leipzig spielt.

Wir wussten nichts über die Mannschaft. Einen gewissen Vorgeschmack allerdings boten das Vereinsgelände und die beiden Plätze.

Die Anlage am Goethesteig in Markkleeberg nahe der Bornaischen Straße und vor allem die beiden Plätze waren in einem schlechten Pflegezustand. Kaum zu glauben, dass hier gerade die Punktspielsaison begonnen hatte.

Am Tag vor dem Spiel fuhr ich raus und wollte sehen, was da auf uns zukommen würde. Völlig heruntergewirtschaftete Felder. Uneben und knochenhart. Kaum zu bespielen. Hier fehlte es an Geld, Zeit und vor allem wohl an Wasser. Der vordere der beiden Plätze ging ja noch, aber der hintere. Ich glaube, der war der schlimmste, den ich je gesehen hatte. Große Flächen ohne Rasen, holprig und einfach unglaublich. Ich dachte, bitte nicht auf dem. Bitte nicht.

Als wir am Abend des nächsten Tages kamen, hatten wir bis auf Steffen Naumann, der Fieber hatte und trotzdem zum Zuschauen vorbeikam so-wie Heiko Hennig alles an Bord, was Rang und Namen hatte: Jens im Tor, Peter nach seinem gelungenen Comeback von Edderitz wieder auf der Liberoposition, flankiert von den beiden Außenverteidigern Boris auf links und Andi auf rechts. Davor Jörg und ich im defensiven Mittelfeld. Er halb-links, ich halbrechts. Bis jetzt alles genau wie in Edderitz. Das Mittelfeld allerdings verändert. Links Mario Hamerla, zentral Timo, der mit Achillessehnenproblemen ins Spiel ging und rechts der noch unverhofft hinzugestoßene Kai.

Hörte sich alles gut an. Auch der Angriff klang mit dem wiedererstarkten Steve und dem zuletzt in Edderitz fehlenden Albrecht wie eine Wunderwaffe, auf die ich sehr gespannt war. Getreu unserem alten Wechselkonzept würde als zwölfter Mann der zuletzt überragende Uwe aufgrund seiner Allrounderfähigkeit wieder die Positionen durchwechseln. So jedenfalls hatten wir uns das vorgestellt.

Wir kommen mit breiter Brust und wieder großer Autokolonne am Goethesteig vorgefahren. Klar, hier ging es nur um die Höhe des Sieges. Die sind ja fast alle um die vierzig und wissen wahrscheinlich nicht, was ihnen jetzt bevorsteht. Kommt, Jungs, wir bringen das zügig hinter uns!

Am Himmel seit Tagen die ersten Wolken. Nieselregen käme jetzt gut. Kommt aber nicht. Und mit Entsetzen bestätigt sich auch schon mal der Albtraum mit dem hinteren Platz. Schon beim Warmlaufen muss man aufpassen, dass man sich nicht die Knie verdreht. Der Platz ist wirklich nicht zu fassen. Er ist das Allerletzte. Wichtiger als der Sieg scheint hier zu sein, irgendwie heil durchzukommen. Ich denke an mein rechtes Knie und mein lädiertes rechtes Sprunggelenk. Das arme Außenband.

Es ist ein Mittwochabend. Anstoß Achtzehn Uhr fünfundvierzig. Schon mit dem Anstoß verspringen die ersten Bälle. Direkt spielen geht nicht. Jeder Ball muss mühsam unter Kontrolle gebracht werden und mir wird schnell klar, dass hier die technisch bessere Mannschaft keinen Vorteil hat.

Dennoch haben wir ein optisches Übergewicht. Zumindest im Spielaufbau, der gut wechselt und mal über links und mal über rechts läuft. Nach ungefähr zehn Minuten auch die 1:0-Führung, als Uwe nach schnellem Spiel von links flankt und Albrecht den Ball nur einzuschieben braucht. Kurz darauf ist es wieder Albrecht, der diesmal nach Zuspiel von Kai aus Nahdistanz das 2:0 macht. Das sollte Sicherheit geben.

Und genau das Gegenteil passiert. Unruhe kehrt ein. Die ständigen Wechsel zerstören den Spielfluss. Die Zuordnung fehlt. Wir irritieren uns selbst.

Statt Spielfreude und Selbstbewusstsein verzetteln wir uns im Klein-Klein. Links verliert Mario die ersten Zweikämpfe. Albrecht bietet sich oft an und wird nicht wie gewohnt freigespielt, obwohl er Räume hat und sich zu-recht beschwert. Timo hält sich zurück und auch Jörg und Andreas kommen nicht in die Gänge. Irgendwie läuft es nicht.

Als ich mich auf rechts bis zur Grundlinie durchsetzen kann und in die Mitte flanke, vergibt Kai aus fünf Metern das sichere dritte Tor.

Als es dann doch nach einer guten halben Stunde fällt, ist es Kai im zweiten Versuch, der einen Pass von Uwe Heine über links versenkt. 3:0, aber nach wie vor kommt keine Spielfreude auf. Hinzu kommt, dass Turbine jetzt eine härtere Gangart einschlägt. Es wird geschoben und gehalten und wenn es sein muss auch mal ordentlich von hinten reingegrätscht.

Der Schiedsrichter hat es in dieser Phase nicht leicht und ist auch nicht immer auf Ballhöhe. Kurz vor der Pause macht sich das bemerkbar, als der rechte Turbine-Stürmer bei Boris in den Mann reinläuft. Nach einigem Zögern Elfmeter gegen uns. Muss man wirklich nicht geben. Er kracht flach an den rechten Pfosten. Vielleicht ausgleichende Gerechtigkeit.

Das 3:1 fällt dennoch. Freistoß von rechts neben dem Strafraum. Und bei einem Kopfballaufsetzer aus Nahdistanz hat Fischi keine Chance. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte dann sogar noch ein gefährlicher Flachschuss aus der Distanz, den Jens aber klasse hält. Viel hatte er nicht zu tun in dieser durchwachsenen ersten Halbzeit, in der nur Albrecht, Kai und Uwe annähernd Normalform haben.

Aus der Pause heraus erhöhen wir auf 4:1. Endlich macht Boris sein seit langem gefordertes erstes Großfeldtor. Albrecht bricht auf links nach Alleingang in den Strafraum und kommt nach einer halbherzigen Attacke zu Fall. Sah schon eher nach Strafstoß aus, den der Schiedsrichter auch gibt, aber Albrecht selbst meint „Das war gar nichts“. Boris verlädt den Torhüter nach links und der Ball schlägt flach halbrechts ein. Souverän.

Das Spiel wird ruppiger. Im Mittelfeld häufen sich die Fouls. Und auch ich bekomme an der linken Seitenlinie den Frust eines längst ausgespielten Gegenspielers an der rechten Wade zu spüren.

Jedenfalls aufgegeben haben die sich nicht. Auch der ballführende Spieler wird sofort attackiert. Jeder weiß, dass man auch über den Kampf zurück ins Spiel finden kann. Peters völlig verunglückter und an der Strafraumgrenze (!) abgefangener Torabschlag bringt das 4:2 und als wenige Minuten später ein toller Zwanzigmeterschuss bei Fischi im linken Dreiangel einschlägt, muss man sich fragen, ob wir das Spiel jetzt aus der Hand geben. Es steht jetzt 4:3 und es bleibt noch eine Viertelstunde.

Unsere Probleme liegen vor allem auf der linken Seite, wo Mario ein ums andere Mal von seinem robusten Gegenspieler überlaufen wird und Boris so immer wieder eins gegen eins spielen muss.

Auch vorn im Sturm läuft nicht viel zusammen. Albrecht bewegt sich zwar viel und bietet sich fortwährend an, wird aber nach wie vor kaum in Szene gesetzt. Steve baut konditionell ab und setzt vor allem bei Ballverlusten nicht mehr nach. Von Jörg und mir kommt über die Mitte einfach zu wenig. Unser Spiel ist zerfahren und bis auf Peters Zweiundzwanzigmeter-Freistoß von halbrechts, den der Torhüter noch mit einer Hand über die Querlatte lenkt, haben wir auch keine echten Chancen mehr.

So ist es ein taktischer Wechsel, der das Spiel entscheidet. Albrecht übernimmt die Liberoposition und ist durch seine Schnelligkeit über jedes Laufduell mit den beiden Stürmern erhaben. Vorn macht Peter im linken Sturm die beiden Tore in der Schlussphase. Beide sind im Zustandekommen nahezu gleich. Jedes Mal ein Sturmlauf von Kai über die linke Seite mit dem Pass genau im richtigen Moment in die Mitte, wo Peter steht und kurzen Prozess macht. Am Ende 6:3 in einem Spiel, in dem man nicht alles mit den Platzverhältnissen erklären kann. Über den Sieg kann sich keiner so richtig freuen. Am besten schnell abhaken.

27. Spiel: 27. August 2003, Sportplatz Goethesteig, Markkleeberg

FC Waldstraßenviertel - Turbine Leipzig (Alte Herren) 6:3

FCW mit: Jens Fischer - Peter Teichmann, Boris Röhricht, Andreas Seidel - Jörg Voigtmann, Oliver Wolfram, Mario Hamerla, Timo Naumann, Kai Werner - Steve Brenner, Albrecht Herold (Uwe Heine)

Tore: Albrecht Herold (2), Peter Teichmann (2), Kai Werner, Boris Röhricht (Foulstrafstoß)

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