26. Kleinfeld-Turnier
(Hallen-Fußballturnier zum 60. Geburtstag von Helmut Pavlov)
09. April 2004, Sportschule „Egidius Braun“, Abtnaundorfer Straße 47, 04347 Leipzig
(5 Feldspieler plus Torwart, 1 x 15 min, 4 Mannschaften, jeder gegen jeden, Kunstrasen)
FC Waldstraßenviertel - Rosentaler Kicker 3:1
Tore: Timo Naumann, Steve Brenner, Kai Werner
FC Waldstraßenviertel - Lipsia Autohaus 2:0
Tore: Jörg Voigtmann (2)
FC Waldstraßenviertel - Fanclub Grünau 2:2
Tore: Steffen Naumann, Steve Brenner
Turniersieg!
FCW mit: Jens Fischer - Andreas Seidel, Peter Teichmann, Jörg Voigtmann, Timo Naumann, Oliver Wolfram, Steffen Naumann, Kai Werner, Steve Brenner, Uwe Heine
Spielbericht
Sechzig Jahre Helmut
Ich habe mir früher nie Gedanken darüber gemacht, wie alt Helmut eigentlich ist. Wir kennen uns seit dem Frühjahr Dreiundneunzig. Aus der Zeit des legendären Kamerunspiels und der Zeit des VfL Leipzig 1977. Er ist trotz seines nicht unbeträchtlichen Bäuchleins ein agiler Mann. Ein Sportsmann durch und durch. Ein Mann, der organisieren und motivieren kann. Und auch das Fußballspielen hatte er nicht verlernt. Sein Markenzeichen über all die Jahre war es, beschwörende Worte mit einem verschmitzten Lächeln auszusprechen. Er war uns und mir immer ein sympathischer Freund und Begleiter aus der Ferne gewesen, der – ich habe es ja schon so oft gesagt – vor allem in den Jahren des Anfangs viel für unsere Mannschaft getan hat. Ohne ihn wäre vieles nicht möglich gewesen. Und vieles nicht so gekommen. Ich bin ihm sehr dankbar dafür.
Sein Anruf kam im Februar. Mensch Doktor, ich werde bald sechzig. Hätte ich selbst nicht gedacht. Alles steigt am neunten April. Bin jetzt schon am organisieren. Wir spielen ein Turnier in der Halle in Abtnaundorf. Kommst du mit deiner Mannschaft?
Der neunte April fällt Zweitausendvier auf Karfreitag. Wenn Helmut Geburtstag feiert, hätte es sonstwann sein können. Wir würden auf jeden Fall kommen.
Die Wochen vor dem Turnier waren für mich wieder eine große Strapaze. Die Stationsarbeit in der Klinik in Halle mit dem frühen Aufstehen und den langen Arbeitszeiten hatten mich ziemlich ausgepowert. Eigentlich war das kaum noch zum Aushalten. In diesen Tagen war an Fußball nicht zu denken, so dass mir Andi die Telefonate abnahm und ich mich wenigstens um nichts kümmern musste.
Es ist Karfreitag. Nieselregen und Matschwetter. Treffen halb eins bei mir. Eigentlich alles wie immer. Dann raus nach Abtnaundorf bei Schönefeld in die große Kunstrasenhalle, wo wir als eine der ersten Mannschaften eintreffen.
Das große Hallo mit Helmut kommt kaum zustande, weil er als Organisator und Geburtstagskind in doppelter Hinsicht im Brennpunkt stand. Er hatte drei verschiedene Turniere in drei verschiedene Staffeln mit je vier Mannschaften eingeteilt.
In der ersten spielten der ehemalige (aufgelöste) VfL (die Mannschaft hatte er nach dem ehemaligen Namen VfL Starkstrom genannt), die SG Motor Gohlis Nord, der LSV Südwest und der SV Ost. Also vier Mannschaften aus Stadt- und Bezirksklasse. In der zweiten Staffel Motor Südwest und drei von ihm zusammengestellte Auswahlen von alten Freunden und Bekannten in einer Art Seniorenturnier. In Staffel drei, offenbar der Staffel der Freizeitmannschaften, waren wir zusammen mit den uns bestens bekannten Rosenthaler Kickern, dem Fanclub Grünau und dem Lipsia Autohaus, die auf den ersten Blick komplett mit den Spielern kamen, mit denen Montag abends Jörg, Andy, Steve, Fischi und seit kurzem auch wieder der Schwaben-Rückkehrer Peter Teichmann in der alten DHfK-Halle kickten.
Wir hatten auf dem hinteren Feld gleich das Eröffnungsspiel gegen die traditionell gelb-schwarzen Rosentaler Kicker. Erst Anfang Februar beim Hallenturnier in Engelsdorf hatten wir gleich zweimal die Klingen gekreuzt. 3:0 und 1:1 hieß es dort.
Das Spiel beginnt. Wir sind optisch gefälliger, ohne freilich zwingend überlegen zu sein. Viel läuft über die linke Seite, wo Andy die Bälle von hinten heraus ins Spiel bringt. Alles sieht gut aus. Auch das Tempo ist relativ hoch und da wir zu zehnt angereist sind, können wir häufig wechseln und Kräfte sparen.
Das 1:0 durch Timo nach etwa einem Drittel der Spielzeit ist ein Gewaltschuss. Zwölf Meter halbrechts. Direkt über dem Kopf des Torhüters schlägt es ein. Danach bleiben wir weiter im Vorwärtsgang und gewinnen immer mehr an Übergewicht, vor allem weil schnell gespielt wird. Auf rechts habe ich in ähnlicher Position wie Timo die große Chance zum 2:0, aber den in vollem Lauf abgezogenen Ball kann der Keeper mit tollem Reflex noch über die Latte lenken. Es beginnt langsam Spaß zu machen.
Mitten in dieses Gefühl hinein fällt der überraschende Ausgleich. In einer traumhaften Kombination mit mehreren Kurzpässen über rechts werden wir lehrbuchreif bis auf die Torlinie ausgespielt. Für einen kurzen Moment scheint das Spiel zu kippen, aber unser Gegner setzt nicht schnell genug nach und so ist es ein kurioses und irreguläres Tor, das uns erneut in Führung bringt: Andy spielt vor der Mittellinie einen langen Pass auf Steve, dem der Torhüter entgegenläuft und den Ball dann bewusst ins Tor passieren lässt, weil Tore erst nach der Mittellinie erzielt werden dürfen. Der Ball trudelt ins Tor und Steve, der den Ball eher nicht berührt hat, meint aber, noch dran gewesen zu sein. Fair war das nicht. Aber wie dem auch sei. Es steht 2:1 und in der Schlussphase räumt Kai mit einem wuchtigen Flachschuss zum 3:1 die letzten Zweifel aus.
Das zweite Spiel gegen die Mannschaft vom Lipsia Autohaus in rot-blau wird gutklassig, aber phasenweise verbissen. Drei, vier riesen Chancen für uns in den ersten drei Minuten. Teilweise völlig freistehend aus der Nahdistanz, aber ein großartiger Heiko Petzold hält unglaublich. Einen Ball nach dem anderen kann er katzenartig und reaktionsschnell um die Pfosten lenken. Im Gefühl der Überlegenheit ist keiner der Jungs voll konzentriert. Weder Timo noch Kai bringen den Ball im Kasten unter. Auch Steffen, der wenig später den Ball aus drei Metern am leeren Tor vorbeischiebt, scheint von allen guten Geistern verlassen.
Als der Gegner dann Mitte des Spiels stärker wird, kommen die ersten Nickeligkeiten. Steve und ich haben es nacheinander mit einem schwarzhaarigen jungen Heißsporn zu tun. Steve hat sich dabei für seine Verhältnisse erstaunlich unter Kontrolle. Ich lasse mich bei einem Konter auf einen Zweikampf mit Halten und Schieben ein, der mir beim zu Boden gehen eine hässliche Schürfwunde am rechten Ellenbogen einbringt. Die beiden Tore zum letztlich verdienten 2:0 macht Jörg. Einmal aus der Nahdistanz flach über den Innenpfosten und einmal mit einem Klasse Direktschuss aus der Halbdistanz. Jörg ist noch immer ein Zauberer.
Vor dem letzten Spiel der Gruppe gegen den Fanclub Grünau (drei Punkte aus zwei Spielen) haben wir sechs Punkte, genauso wie die Rosentaler Kicker mit einem Spiel mehr. Die Konstellation ist klar. Ein Unentschieden reicht zum Turniersieg. Jede Niederlage hat drei punktgleiche Mannschaften mit sechs Punkten und die Rechnerei um das beste Torverhältnis zur Folge.
Als das Spiel beginnt, bekommen wir es mit einer starken Mannschaft zu tun. Fanclub Grünau, ganz in weiß, ist sehr ausgeglichen besetzt und teilt klug die Räume auf. Die meisten sind technisch gut und lassen die Bälle laufen. Auch der Torhüter, den irgendjemand als Keeper von TuS Leutzsch erkennt, ist hervorragend. Das hatten wir in den beiden vorigen Spielen gesehen.
Gegen Steffens Traumtor zum 1:0 ist er machtlos: Nach Pass von Steve über die Mitte spielt er den Torhüter mit einer Körpertäuschung aus und schiebt den Ball gelassen ein. Als wir unter Druck den Ausgleich fangen, scheint es wirklich noch einmal eng zu werden. Das Spiel wogt jetzt hin und her. Es wird auf beiden Seiten gekämpft und viel gelaufen. Kai drängt mehrfach auf die Führung, hat aber jeweils Pech oder vor sich den starken Keeper. Steve, der schon viel zu lange im Spiel ist und sich nicht auswechseln lässt, zeigt klar an, dass er hier noch sein Tor machen will. Daran glauben kann keiner, weil seine Bewegungen müde wirken und er auch nicht nachsetzt. Aber genau Steve macht das wichtige 2:1. Einen Pass aus der Mitte nimmt er mit dem Rücken zum Tor an und hämmert den Ball aus der Drehung in die Maschen. Wars das? Nein. In einer hektischen Schlussphase fällt der stark herausgespielte Ausgleich genau eine Minute vor dem Ende. Während der Gegner seinen Torhüter aus dem Kasten nimmt und nun mit stürmischen Attacken alles auf eine Karte setzt, halten wir den Ball und retten das Unentschieden über die Zeit.