27. Kleinfeld-Turnier
(Kleinfeld-Fußballturnier zum 13. Bürgerfest in Engelsdorf)
01.05.2004, Sportplatz SV Lok Engelsdorf, Hans-Weigel-Straße 29
(6 Feldspieler plus Torwart, 1 x 12 min, 11 Mannschaften)
Vorrunde (Gruppe A):
FC Waldstraßenviertel - Rot-Gelb Dessau 3:0
Tore: Timo Naumann (2), Steffen Naumann
FC Waldstraßenviertel - Rosentaler Kicker 0:1
FC Waldstraßenviertel - VoSpo Markkleeberg 2:0
Tore: Timo Naumann, Albrecht Herold
FC Waldstraßenviertel - Alte Junioren 0:0
FC Waldstraßenviertel - FC Albertpark 1:0
Tor: Steve Brenner
Als Gruppenzweiter ins Halbfinale:
FC Waldstraßenviertel - FC Klingerstraße 0:0
n. 9-m-Schießen 2:0
Peter Teichmann: 1:0, FC Klingerstraße: links daneben, Steve Brenner: 2:0, FC Klingerstraße: Mitte gehalten.
Finale:
FC Waldstraßenviertel - Rosentaler Kicker 1:0
Tor: Timo Naumann
Turniersieg!
FCW mit: Jens Fischer - Andreas Seidel, Peter Teichmann, Jörg Voigtmann, Mario Hamerla, Timo Naumann, Oliver Wolfram, Steffen Naumann, Steve Brenner, Albrecht Herold
Spielbericht
Endlich
Erster Mai Zweitausendvier. Es ist Samstag früh am Morgen, als wir Viertel vor Neun nunmehr zum sechsten Mal nach Engelsdorf fahren. Keiner weiß, was kommen wird, aber alle wissen von der Serie der vier nacheinander verlorenen Engelsdorfer Finals.
Es ist wirklich verrückt. Vier Mal in Engelsdorf Zweiter geworden und einmal, Zweitausendeins, auch dieser schreckliche letzte Platz.
Die Stimmung ist gut. Peter tönt vom Sieg und auch Andy, der eigentlich selten solche Äußerungen macht, spricht davon, dort endlich auch mal gewinnen zu müssen. Von Steve ist ähnliches zu hören.
Durch die Arbeit in der Urologischen Ambulanz in Halle mit den geregelten Arbeitszeiten und dem relativ zeitigen Heimkommen hatte ich mich körperlich wieder erholt und war gut beieinander, auch wenn ich wusste, dass mir noch die Spielpraxis fehlt.
Als wir in Engelsdorf in der Hans-Weigel-Straße eintreffen, ist schon viel los. Eben ein Bürgerfest. Lothar Hahn am Organisationspult. Der Bierstand ist auch schon aufgebaut. Nach und nach ziehen die elf Mannschaften ein. Wir beziehen unsere gewohnte Stellung unter den Bäumen am Hang hinter dem zweiten Kleinfeld. Mit mir sind Greta, Emilia und Victor gekommen, die solche Tage immer auskosten. Meistens im wahrsten Sinne des Wortes. Übrigens sprach auch Greta vom Gewinnen. Vor allem wegen des Pokals.
Es ist ein warmer Frühlingstag, der durch die Trockenheit schon so einen Vorgeschmack auf den Sommer geben will. Fischi hatte Elias Manuel dabei und Steffen kam mit Annett und seiner Tochter Emilia. Es ließ sich also alles gut an.
Wir hatten gleich das Auftaktmatch gegen eine neue Mannschaft. Rot-Gelb Dessau. Gelb-rot-längsgestreifte Trikots und rote Hosen. Alle jung, groß und dynamisch. Meistens hat das nichts zu sagen und es verunsichert uns auch nicht, aber man weiß wenigstens sofort, was da konditionell auf einen zukommt.
Wir haben einen blendenden Beginn. Wir sind einfach besser. Eleganter und auch schneller. Der Ball läuft gewohnt gut und unser Gegner hat keine Mittel, uns in Gefahr zu bringen. Nach der Hälfte des Spiels fallen die Tore. Das 1:0 durch Timo, der nach einem Alleingang (Originalton Timo: „Einer muss es ja machen!“) einfach abzieht und ins rechte Eck trifft. Sah super aus. Beim 2:0 hatte er Glück, als er schon zu weit nach links außen abgedrängt war und sein Schlenzer von links doch noch im langen rechten Eck landete. Steffen machte anschließend mit einem flatternden Drehschuss alles klar. Übrigens wieder ins rechte Eck. 3:0 und hochverdient. So beginnen Turniere, die man gewinnen will.
Aber es scheint anders zu kommen.
Das zweite Spiel geht gegen die uns bestens bekannte Mannschaft der Rosentaler Kicker. Es ist noch immer die spielerisch gute und vor allem faire und sympathische Truppe. In diesem Jahr haben wir schon dreimal gegeneinander gespielt. Wir kennen uns gut und die Atmosphäre ist herzlich. Fouls gibt es bei denen sowieso nicht. Sie spielen im traditionellen gelb-schwarz.
Bei uns ist wenig Bewegung im Spiel. Zuviel geht über die Mitte. Unser Gegner deckt eng. Die haben offenbar einen Plan und lassen in der eigenen Hälfte keine Räume für einen Spielaufbau. Trotzdem haben wir mehr Spielanteile und den Drang nach vorn, während die Rosentaler Kicker, die ohne Pause zwei Spiele hintereinander machen mussten, eher in Richtung Remis spielten.
Als mir Timo den Ball mustergültig aus der Mitte nach rechts in den vollen Lauf legt, hätte es eigentlich passieren müssen, aber der flache Ball geht zwanzig Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. War schwer zu nehmen, tröstet mich Steffen, aber das war er nicht. Ich ärgere mich. Sowas passiert nur, wenn man keine Spielpraxis hat. Auch Timo hat kurze Zeit aus spitzem Winkel von links die Führung auf dem Fuß und donnert den Ball an den linken Pfosten. Naja gut, denke ich noch, dann eben Unentschieden. Aber dann diese schlimme, halbhohe und eigentlich ungefährliche Flanke von rechts. Andy sieht im Tiefschlaf zu, wie uns sein blonder Gegenspieler ungedeckt mit einem Flugkopfball in Rückstand bringt. Fischi ist chancenlos und wettert natürlich. Die Betriebsamkeit, die jetzt aufkommt, rettet uns nicht. Jetzt sind wir es, denen die Mittel und der letzte Biss fehlen. Der einzige, der es noch hätte machen können, war Jörg, der traumhaft von Albrecht aus dem Mittelfeld bedient, allein vorm Tor, den Ball direkt verlängern will und dann übers Tor zirkelt. Oh Mann, er hätte alle Zeit der Welt gehabt, den Ball anzunehmen.
Nach zwei Spielen drei Punkte. Die jeweils ersten beiden der Sechsergruppen kommen ins Halbfinale. Wir dürfen uns jetzt keine Blöße mehr geben.
Im dritten Spiel kommen keine Fragen auf. Gegen VoSpo Markkleeberg, wie schon im letzten Jahr in gelb-schwarz sind wir von Beginn an drückend überlegen. Ball und Gegner laufen die ganze Zeit. Das 1:0 ist klasse herausgespielt. Ein herrlicher Spielzug bis fast auf die Grundlinie. Dann passt Steve quer auf Timo, der den Keeper aus spitzem Winkel und Nahdistanz tunnelt. Sah ziemlich gut aus. Timo ist eine Maschine. Das 2:0 nach Andis Alleingang und Pass aus dem Mittelfeld auf Albrechts, der den Ball stoppt und dann ins lange rechte Eck trifft. Andi selbst spielte überragend – wie jemand, der etwas gutzumachen hatte.
Zwei Siege und eine Niederlage nach drei Spielen. Im Kampf um die beiden Halbfinalplätze deutete sich ein Dreikampf an: Die Rosentaler Kicker, wir und die Alten Junioren, wenigstens für mich eine wenig sympathische Mannschaft, mit der wir in den vergangenen Jahren ausnahmslos hektische und giftige, aber immer auch spannende Auseinandersetzungen hatten. Achtundneunzig der 2:1-Sieg im Halbfinalneunmeterschiessen nach 0:0 in der regulären Spielzeit, zweitausendeins ein 0:2 und letztes Jahr das verbissen erkämpfte 3:1 mit bösen Worten und vielen Nickeligkeiten. Auch der Ellenbogen damals an meinem Kopf war mir noch in bester Erinnerung.
Ihre Gesichter sind die gleichen geblieben. Auch die Spielweise der weiß-grünen hat sich nicht geändert. Spätestens als Jörg umgerannt wird und sein Gegenspieler noch lautstark den Freistoß fordert, kochen die Emotionen wieder hoch. Zum Glück nur bei unserem Gegner, denn wir bleiben weitgehend ruhig und lassen uns nicht provozieren. Das Spiel ist ausgeglichen, obwohl wir optisch gefälliger sind und der Ball besser läuft. Dafür sind die Räume eng und Timo und Steve werden konsequent gedeckt. Auch Albrecht bekommt nicht die Räume für seine gefährlichen Sturmläufe.
Wir wechseln permanent und schonen damit die Kräfte, erspielen aber kaum zwingende Torchancen. Die besten Gelegenheiten vergeben kurz vor Ende noch Timo und Jörg. Hinten brennt nichts an, weil die Abwehr gut steht. Mario spielt unspektakulär, aber fehlerfrei, Peter kann seine Schnelligkeitsnachteile durch exzellentes Stellungsspiel kaschieren und ich lasse meinem Ellenbogenmann vom letzten Jahr keine einzige Torchance.
Das 0:0 am Ende nützt nur unserem Gegner, der jetzt mit acht Punkten aus vier Spielen einen Zähler vor uns liegt. Auch die Rosentaler Kicker haben vor der letzten Runde acht Punkte und so ist klar, dass wir jetzt auf fremde Hilfe angewiesen sind.
Vor den Auftritten der anderen gehen wir in unser letztes Vorrundenspiel. Nur mit einem Sieg gegen den abgeschlagenen FC Albertpark bleiben die Hoffnungen auf einen Ausrutscher der anderen.
Unser Gegner spielt in rot-gelb längsgestreiften Jerseys und blauen Hosen und gerät sofort unter Druck. Unser Spiel ist ein einziges Powerplay. Die einzige, aber große Gefahr ist jetzt irgendein Konter.
Und genau der kommt. Als zwei Stürmer auf mich allein zulaufen, bleibt mir nur die Notbremse. Über den fälligen Strafstoß gibt es keine Diskussionen. Mit dem Aus vor Augen erwartet Fischi den Ball, der mit links ohne Anlauf getreten rechts am Tor vorbeigeht.
Riesen Erleichterung. Und wir rennen weiter an. Das ersehnte Siegtor leitet Timo auf rechts ein. Sein langer Ball auf mich hebelt die komplette Abwehr aus. In meinen Rückpass von der Grundlinie läuft Steve, der den Ball erst noch auf links legen muss und dann riesen Glück hat, dass der Keeper den hohen Ball in die Mitte nicht noch über die Latte lenkt. Peter lacht und hat sicher die treffenden Worte: „Den Ball hast Du reingezittert“. Ist aber egal. Steve und ich freuen uns über die gelungene Koproduktion und wir können weiter aufs Halbfinale hoffen.
Einer der anderen muss jetzt stolpern.
Die Rosentaler Kicker besiegen sicher VoSpo Markkleeberg mit 2:0 und werden Gruppensieger mit elf Punkten. Jetzt hängt für uns alles vom letzten Spiel der Alten Junioren gegen Rot-Gelb Dessau ab. Gewinnen die Alten Junioren, sind wir als Dritter ausgeschieden. Bei jedem anderen Ergebnis sind wir als Gruppenzweiter im Halbfinale.
Ich verfolge an der Torauslinie das Spiel. Viele Ballverluste gibt es auf beiden Seiten und auch ein Unterschied ist kaum zu sehen. Weder spielerisch noch konditionell. Als nach einem Konter die Dessauer sogar noch in Führung gehen, ist es kaum zu glauben. Die Überraschung liegt in der Luft. Hinten am Hang unter den Bäumen jubeln die Jungs. Trotz des späten Ausgleichs per Foulstrafstoß droht hier keine Gefahr mehr. Zu harmlos und vor allem zu kraftlos sind die Alten Junioren, um das Spiel noch zu kippen. Das überraschende 1:1 ebnet uns den kaum noch für möglich gehaltenen Weg unter die letzten Vier.
Zum fünften Mal Halbfinale in Engelsdorf. Unser Gegner ist der Gruppenerste der B-Gruppe und heißt FC Klingerstraße. Gold-grüne Spielkleidung. Eine solide Mannschaft ohne herausragende Individualisten. Die bisher einzige Begegnung im Juli Zweitausend hatten wir mit 4:0 gewonnen. Das Spiel beginnt mit zwei riesen Chancen für den Gegner. Jeweils aus Nahdistanz haben wir großes Glück, hier nicht schon früh in Rückstand zu geraten. Danach sind wir wieder optisch überlegen.
Vor allem im Mittelfeld. Jörg spielt unglaublich stark und leitet einen Angriff nach dem anderen ein. Timo gewinnt praktisch jeden Zweikampf. Mit Auge und klasse timing. Alles sieht gut aus, aber wir kommen nicht zu echten Chancen, Steffens Pfostenknaller mal ausgenommen. Nach torlosem 0:0 gehen wir wieder in das Neunmeterschießen, das wir vorher unbedingt vermeiden wollten.
Von jeder Mannschaft drei Schützen. Peter beginnt. An Engelsdorf hat er mit Neunmetern gemischte Erinnerungen. Aber mit eisiger Kälte schiebt er den Ball zum 1:0 ins rechte Eck. Als der erste Schütze der Klingerstraße den Ball links neben das Tor setzt, kommt Steve. Inzwischen längst ein Mister Neunmeter. Bei seinem Schuss flach auf Halblinks ist der Keeper in der anderen Ecke. Es steht 2:0 und als Fischi den nächsten Ball mit einer Hand in der Mitte über die Querlatte lenkt, stehen wir wieder im Finale. Gegen die Rosentaler Kicker, die das andere Halbfinalspiel nach einem 1:1 ebenfalls erst im Neunmeterschiessen gegen die Systemlinge (ein äußerst unangenehmer Gegner aus jungen kahlgeschorenen Heißspornen) für sich entscheiden.
Die beiden besten Mannschaften des Turniers sind im Finale. Vor Spielbeginn wieder Shakehands. Die Atmosphäre ist wie unter Freunden. Es wird hier kein einziges böses Wort geben und keine Fouls geben. Keine Nickeligkeiten, kein nichts. Wir kennen uns inzwischen gut und es ist das siebente Spiel gegeneinander. Bisher drei Siege für uns, zwei Unentschieden und eine Niederlage, eben die aus der Vorrunde.
Das Finale beginnt verhalten. Fast respektvoll begegnet man sich im Mittelfeld. Die Ballstafetten auf beiden Seiten sind sicher. Fehlpässe gibt es kaum. Ein gutes Endspiel. Das 1:0 fällt früh. Links außen ein herrlicher Doppelpass zwischen Andi und Timo, ein Lupfer von Andi in den Strafraum und Timo versenkt den Ball links aus spitzem Winkel. Es ist das erste Mal, dass wir in einem Engelsdorfer Finale in Führung gehen. Schlagartig wird das Tempo auf beiden Seiten höher. Vor allem für uns gibt es jetzt mehr Räume. In einem Konter überlaufen Peter und ich die Abwehr und stürmen aufs Tor. Peter wartet bis zum allerletzten Moment und passt mustergültig auf rechts, aber meine Direktabnahme klatscht an den rechten Pfosten. Eine unglaubliche Chance. So einer muss einfach rein. Die letzten Minuten vergehen im Anrennen der Rosentaler, ohne dass Fischi noch einmal ernsthaft eingreifen muss und als der Schlusspfiff kommt, haben wir zum ersten Mal in Engelsdorf gewonnen. Endlich!
Nach der Siegerehrung in der Nachmittagssonne gibt es Sekt aus dem großen Pokal, um den sich nun auch Emilia, Greta, Victor und Elias drängeln. Fischi, soll Elias auch einen Schluck? Greta und Victor haben ja auch. Ist schon gut, aber nur einen kleinen. Jetzt hat Emilia den Pokal in den Händen und setzt ihn an. Mensch, um Gottes Willen, wenn das Kornelia sieht.