32. Kleinfeld-Turnier
(2. Engelsdorfer Hallen-Weihnachtsturnier)
18. Dezember 2005, Sporthalle Gymnasium Engelsdorf, Arthur-Winkler-Straße (4 Feldspieler plus Torwart, 1 x 10 min, 6 Mannschaften, jeder gegen jeden)
FC Waldstraßenviertel - AS Lok Engelsdorf 0:0
FC Waldstraßenviertel - FC St. Gertrud 1:1
Tor: Uwe Heine
FC Waldstraßenviertel - Gymnasium Paunsdorf 4:0
Tore: Thomas Möcker (2), Oliver Wolfram, Uwe Heine
FC Waldstraßenviertel - SV Zweenfurth 1:0
Tor: Uwe Heine
FC Waldstraßenviertel - Bundeswehr Weißenfels 2:1
Tore: Uwe Heine, Andreas Seidel
2. Platz!
FCW mit: Steve Brenner - Peter Teichmann, Andreas Seidel, Oliver Wolfram, Thomas Möcker, Jörg Voigtmann, Mario Hamerla, Andreas Ringel, Kai Werner, Uwe Heine
Spielbericht
Elf Freunde sollt Ihr sein
Es geht schon wieder auf das Ende des Jahres Zweitausendfünf. Seit dreieinhalb Monaten bin ich als Urologe am Zeisigwaldklinikum Bethanien in Chemnitz. Fünfundachtzig Kilometer Entfernung von Leipzig sind ein weiter Weg, aber ich nehme die Strecke gern in Kauf, weil die Bedingungen in der Klinik wirklich so etwas wie einmalig sind.
Die Klinik liegt wunderbar am Rande des Zeisigwaldes und ist eine der grössten Urologischen Kliniken in Deutschland. Aber das allein ist es natürlich nicht. Chemnitz ist irgendwie anders als alles, was ich bisher erlebt habe. Team und Chef sind erstklassig. Von oben herunter eine gesunde Struktur. Immer aufrichtig, kollegial und rücksichtsvoll. Mit einer irgendwie natürlichen Hilfsbereitschaft, die mir am Anfang fast verdächtig vorkam. Die Uhren gehen anders als an einer Universitätsklinik. Auch merkt man dem Tagesablauf an, dass die Hälfte der Mannschaft aus Frauen besteht. Bei langen Operationen werden zu bestimmten Zeiten die Teams ausgewechselt, um die Leute nicht zu verschleißen. Die Besprechungen sind stets und allein auf die Sache bezogen und es fühlt sich nicht an wie bei einem Rapport.
Auch der Umgang mit Problemen ist nur an ihrer Lösung orientiert und hat nicht die Suche des Verantwortlichen zum Ziel, wie es in Halle oft der Fall war. Ich kann sagen, es ist nach nun mehreren Stationen in Leipzig, Luckenwalde und der Uni in Halle das Beste, was ich bisher gesehen habe.
Trotz des täglich frühen Aufstehens um halb fünf und den monotonen Zugfahrten geht es mir körperlich gut wie schon in den Sommermonaten. Ich trainiere unregelmäßig und sicher zu wenig, habe aber noch immer eine gute Kondition und keinen Verlust an Ballgefühl. Dumm ist einzig und allein, dass ich nach dem Spiel gegen das Irr-und–Art-Team im September bis zum vierten Advent keinen einzigen Auftritt organisiert hatte und mich so dem Engelsdorfer Weihnachtsturnier eine Woche vor Weihnachten regelrecht entgegensehnte.
Es gab bis zum achtzehnten Dezember einiges zu tun. Mit dem Sponsorengeld einer Reinigungsmittelfirma hatte ich über Steves Freund Sven Damm bei Intersport in den Leipziger Hauptbahnhof-Promenaden einen kompletten Satz neuer Trikots, Hosen und Stutzen geordert. Die neue Garnitur sollte schwarz-weiß sein.
Die Suche nach geeigneten Dressen drohte anfangs zum Problem auszuarten, da sich die von uns favorisierte Firma Umbro für dieses Jahr aus der Teamsportausrüstung zurückgezogen hatte und letztlich nach mehrwöchigem Katalogwälzen nur Nike etwas Adäquates anbot. Das allerdings war einfach klasse. Schwarze Trikots mit grau abgesetzten Ärmelstreifen, weißen weitgeschnittenen Park-Shorts und schwarzen Stutzen waren genau das, was mir schon seit längererem vorschwebte. Fischi sagte später, wir sehen jetzt aus wie die Schotten.
Wie schon Siebenundneunzig halfen mir wieder Steve und Andi beim Veredeln der Teile. Neben Namenszug und Rückennummer ließen wir diesmal auch Brustnummern aufdrucken, unter denen mit „F.C.W. 1993“ auch unser Gründungsjahr und der alte Herberger-Spruch von Vierundfünfzig „Elf Freunde sollt ihr sein“ stehen würden.
Der Satz ging mir immer nahe, drückt er doch aus, wonach ich mich im Grunde beim Fußball immer gesehnt habe. Nach Freundschaft und nach dem Gefühl, etwas gemeinsam zu tun. Egal ob Du am Ende gewinnst oder geschlagen wirst. Du erlebst es gemeinsam mit den anderen.
Über eine Merchandising-Firma in der Leipziger Engert-Straße habe ich dann noch die Anfertigung neuer Aufnäher für Hosen und Trikots in Auftrag gegeben. Nachdem die Produktion an ein Subunternehmen in Polen weitergegeben wurde und die Aufnäher beim Transport über die Grenze durch einen Umzeichnungsfehler der Artikelnummern verschwanden, hatte ich die ganze Angelegenheit bereits genervt abgehakt. Aber wie das in Polen manchmal so ist: Vieles verschwindet unerklärlich. Und manches kommt auch ebenso unerklärlich wieder zurück. Unsere Aufnäher tauchten drei Tage vor dem Engelsdorfer Turnier plötzlich doch wieder auf. Über die Umstände der großen Zeitverzögerung könne man von polnischer Seite nichts Genaues sagen. Passte voll ins Klischee.
Leider reichte die Zeit dann nicht, um die Teile von der gleichen Firma noch auf die Trikots und Hosen aufnähen zu lassen, so dass wir achtundvierzig Stunden vor der Angst zu unserer alten Bekannten Karin Heßler liefen. Eben jener Karin Heßler, die uns schon vor acht Jahren die FCW-Embleme auf die blau-schwarzen Umbros genäht hatte. Die Frau verstand wenigstens, dass wir in Zeitnot waren und am darauffolgenden Nachmittag, am siebzehnten Dezember hatten wir alles fertig wieder zurück. Auf den allerletzten Drücker.
Kurz vor Weihnachten zum Turnier nach Engelsdorf. Am vierten Advent mittags. Wieder die übliche Autokolonne, die sich halb eins von der Funkenburgstraße Richtung Nordosten in Bewegung setzt. Obwohl heute Timo fehlt, sind wir zu zehnt. Vielleicht zwei, drei Mann zu viel für nur vier Feldspieler und einen Torwart, aber gerade vor dem Jahresende war es mir wichtig, dass wir noch einmal alle gemeinsam zu Felde ziehen.
Und das war sicher gut so. Denn wir geraten in ein reines Jugendturnier und obwohl sich in der relativ kleinen Engelsdorfer Halle konditionelle Nachteile eher weniger bemerkbar machen, war es wichtig, gegen die im Schnitt fünfzehn Jahre jüngere Konkurrenz alle Positionen doppelt zu besetzen.
Im Tor spielt für den verhinderten Fischi wie schon im Februar Steve. In die drei eher defensiven Positionen teilen sich immer zwei Spieler. Letzter Mann spielen demnach Andreas Ringel oder Peter, auf rechts sind Thomas oder ich, auf links Jörg oder Mario und vorn im Angriff besetzen Andreas Seidel, Kai oder Uwe die letzte der nur vier Feldpositionen.
Das Turnier selbst beginnt genauso, wie es nicht passieren darf, denn wir verschlafen regelrecht die beiden Anfangspartien gegen die vermeintlich leichteren Gegner. Zuerst ist es der Gastgeber, gegen den wir trotz guten Spiels und vieler gelungener Kombinationen einfach kein Tor erzielen. Obwohl alles gut aussieht, der Ball flüssig läuft und es jede Menge Chancen gibt. Zweimal Kai und einmal Jörg haben die Führung auf dem Fuß. Hinten hat Steve kaum einen Ballkontakt.
In Gefahr geraten wir nur mit zwei indirekten Freistößen von der Strafraumgrenze, die Andy Ringel, dem anfangs irgendwie das timing fehlt, mit jeweils ungewollten Fouls heraufbeschwört. Den Schlußpunkt setzt Jörg, der die beste aller Chancen in seiner ihm eigenen unverwechselbaren Art drei Meter vor dem Tor hineinzaubern will und dann am vorher längst ausgespielten Keeper scheitert.
Im zweiten Spiel gegen den in rot-blau spielenden FC St. Gertrud läuft es nicht wesentlich anders. Wieder haben wir die deutlich bessere Spielanlage, aber geraten diesmal sogar schnell in Rückstand. Als nach einer Ecke, die durch mehrere Beine geistert, Thomas den Ball prallen lässt, hat Steve beim Abstauber aus Nahdistanz keine Chance. Das Tor fällt genau in dem Augenblick, als ich die Kamera für ein paar Fotos holen will. Wenig später rettet uns Uwe, der oft dann, wenn Timo fehlt, die big points macht. Sein Ball aus der Drehung schlägt flach zum 1:1 ein und wir bleiben wenigstens theoretisch im Rennen.
Jetzt kommen nacheinander die drei jungen Mannschaften. Das Gymnasium Paunsdorf, der SV Zweenfurth und die bisher verlustpunktfrei agierenden Bundeswehrsoldaten aus Weißenfels.Zwei Dinge haben sie alle gemeinsam. Sie sind konditionell stark und hochmotiviert. Im Grunde die blanken Heißsporne. Waren wir früher auch mal so?
Die Gymnasiasten bekommen als erstes den Frust unserer beiden Auftaktunentschieden zu spüren und haben beim geschmeidig herausgespielten Sieg keine Chance. Nach Thomas’ schnellem Führungstor gelingt mir nach Jörgs glänzendem Pass von links mit einem flachen Direktschuss das 2:0. Wieder Thomas, wie er meinte „aus dem Gewühl heraus“ und Uwe nach schönem Querpass von Mario halten mit dem 4:0 das Schiff wieder auf Kurs, aber wir brauchen jetzt einen Punktverlust der Weißenfelser.
Nach drei Runden hat Weißenfels neun Punkte und 5:0 Tore. Fast uneinholbar. Wir sind mit gerade mal fünf Punkten und 5:1 Toren Zweiter. Nach uns haben Zweenfurth vier und das Gymnasium Engelsdorf drei Punkte.
Die beiden Unentschieden am Anfang haben letztlich die Fronten geklärt. Zwei Spiele stehen für alle noch aus. Nach unten geht viel und nach oben nur wenig. Und überhaupt nur dann, wenn Weißenfels im vorletzten Spiel gegen Engelsdorf noch Punkte abgibt und wir sie dann, einen Sieg gegen Zweenfurth vorausgesetzt, im letzten Turnierspiel schlagen.
Wir erledigen mit Mühe unsere Hausaufgaben gegen die gut aufgestellten Zweenfurther, die uns von Anfang an weit in der eigenen Hälfte anlaufen und so zwingen, konsequent das Spiel von hinten heraus aufzubauen. Das war früher mal unser Markenzeichen.
Auch wachen wir endgültig auf. Und der Ball läuft. Wieder ist es für das Auge gut. Jetzt zeigen wir das, was uns immer ausgemacht hat. Die Jungs sind nun absolut ballsicher. Gerade im schnellen und direkten Spielaufbau erkenne ich uns wieder, obwohl jetzt jeder Ballverlust das Spiel entscheiden kann. Andy Ringel hat sich längst gefangen, steht gut in der Defensive und zerrt jetzt auch nach vorne an den Ketten. Links steht immer dann, wenn Jörg draußen ist, Mario souverän und ballsicher. Er ist ohnehin durch den jahrelangen Hallenfußball an die schnellen Bälle gewöhnt und beißt sich auch nach Ballverlusten an den Waden seiner Gegner fest. In dieser Form ist Mario trotz seiner inzwischen dreiundvierzig Jahre bei uns kaum mehr wegzudenken.
Unser Siegtor macht einmal mehr Mister big point. Und wie! Uwe scheint ohnehin nur die besonderen Tore zu wollen. Nach Andi Seidels Pass von links vergibt er zuerst aus Nahdistanz, um dann im Nachschuss den viel schwierigeren Ball von links im Lauf aus der Luft zu versenken.
Mit dem 1:0 und nunmehr acht Punkten aus vier Spielen sind jetzt unsere Blicke auf das Spiel der Bundeswehr Weißenfels gegen den AS Lok Engelsdorf gerichtet. Nur wenn die Weißenfelser hier nicht gewinnen, haben wir noch eine Chance, im letzten Spiel, das dann eine Art Endspiel werden würde, um den Sieg zu kämpfen.
Unsere Hoffnung auf ein Unentschieden währt keine fünf Minuten. Die violett-schwarzen Weißenfelser sind zu drangvoll, zu ballsicher und letztlich auch zu überlegen, um sich gegen einen eher biederen Gastgeber noch einmal selbst in Gefahr zu bringen. Mit dem sicheren 2:0 sind sie vor dem letzten Spiel mit vier Punkten Vorsprung uneinholbar und können der abschließenden Partie gegen uns gelassen entgegensehen.
Schade. Diese blöden Unentschieden am Anfang!
Im direkten Duell unserer Verfolger oder besser gesagt der jungen Wilden schlägt der SV Zweenfurth das Gymnasium Paunsdorf mit 2:0 und sichert sich damit mit sieben Punkten den dritten Platz.
Es gibt kein Endspiel. Mit acht Punkten spielen wir als sicherer Zweiter gegen den Turniersieger nur noch um die goldene Ananas.
Aber es wird ein versöhnlicher Abschluss. Ohne Druck gelingt gegen einen starken Gegner nun alles. Wieder ist es Uwe, der uns mit dem rechten Innenrist nach Jörgs genialem Pass über die Bande in Führung bringt. Torchancen gibt es auf beiden Seiten und auch Steve kommt endlich dazu, sich bei Flachschüssen auszuzeichnen. Trotzdem ist gerade er es, der das Spiel kurz darauf wieder spannend macht. Mit einem Querpass bringt er die Abwehr in Bedrängnis und mit dem Ballverlust kommt das Gegentor, das uns in die Schlussoffensive treibt.
Mit Andi Seidels Traumtor nach Alleingang von Kai, der ähnlich wie Jörg eher zurückhaltend spielte, wird das Spiel entschieden. Pass von Kai auf Andi. Im spitzen Winkel macht Andi kurzen Prozess. Annahme, Drehung, Tor. So konnte es höchstens noch ein Gerd Müller. Oder ein Timo Naumann.
Apropos Timo. Der hat uns echt gefehlt. Nicht nur, weil sich eine lebende Torfabrik keine zwei Spiele lang angesehen hätte, wie vier Feldspieler pausenlos das Tor nicht treffen. Nein, es ist etwas anderes. Mit ihm wären wir heute zu elft gewesen. So wie Herberger es wollte.
Die weiteren Spiele des Turniers:
SV Zweenfurth - FC St. Gertrud 0:0
Bundeswehr Weißenfels - Gymnasium Paunsdorf 3:0
SV Zweenfurth - Bundeswehr Weißenfels 0:1
Gymnasium Paunsdorf - AS Lok Engelsdorf 2:0
AS Lok Engelsdorf - SV Zweenfurth 0:2
Bundeswehr Weißenfels - FC St. Gertrud 1:0
FC St. Gertrud - Gymnasium Paunsdorf 1:4
Bundeswehr Weißenfels - AS Lok Engelsdorf 2:0
Gymnasium Paunsdorf - SV Zweenfurth 0:2
AS Lok Engelsdorf - FC St. Gertrud 3:0
Abschlusstabelle: S – U – N Tore Punkte