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34. Kleinfeld-Turnier

(Kleinfeld-Fußballturnier zum 15. Bürgerfest in Engelsdorf)

30.04.2006, Sportplatz SV Lok Engelsdorf, Hans-Weigel-Straße 29

(6 Feldspieler plus Torwart, 1 x 10 min, 6 Mannschaften, jeder gegen jeden)

FC Waldstraßenviertel - Marathon Kicker 0:0

FC Waldstraßenviertel - Stötteritzer Himmelhunde 0:0

FC Waldstraßenviertel - Rosentaler Kicker 0:0

FC Waldstraßenviertel - AS Lok Engelsdorf 1:0

Tor: Steve Brenner

FC Waldstraßenviertel - Siedler Albrechtshain 2:0

Tore: Timo Naumann, Oliver Wolfram

2. Platz!

FCW mit: Jens Fischer - Andreas Seidel, Andreas Ringel, Mario Hamerla, Steffen Naumann - Timo Naumann, Oliver Wolfram, Uwe Heine, Steve Brenner

Spielbericht

Nullnummern

Der Winter Zweitausendsechs geht mit viel Schnee bis weit in den April. In Chemnitz, wo ich seit September letzten Jahres in der Bethanien-Urologie arbeite, war er noch strenger. Es war sehr lange kalt. Irgendwie anders, als all die Jahre zuvor. Mag sein, dass der Winter vor fast zwanzig Jahren, der Sechsundachtzig und er schien überhaupt nicht mehr aufzuhören.

Ich sehe mich noch immer früh um fünf von der Leipziger Funkenburgstraße zum Bahnhof durch den Schnee stapfen, um mit dem Zug kurz vor halb sechs nach Chemnitz zu fahren. Früh die Hinrichsen- und die Humboldtstraße entlang. Und immer nur bei Dunkelheit. Eine Stunde dann im stickig warmen Zug mit gleißend hellem Neonlicht (wie ich das mag!!) und dann mit dem dreiundzwanziger Bus zur Klinik am Zeisigwald, wo Mitte April noch Schneereste lagen, als in Leipzig schon das erste Grün an den Bäumen war.

Das war einige Tage vor dem Engelsdorfer Turnier.

Für mich war es die Zeit der aufregenden Wochen. Es kam wie so oft im Leben aus heiterem Himmel. Im Februar Zweitausendsechs. Es klingelt ein Telefon und plötzlich verändert sich alles. Aber auch wirklich alles.

Kurios, wie es manchmal so kommt. Mitten in die wunderschöne Zeit am Zeisigwaldklinikum in Chemnitz vermittelte mir ein Urologischer Chefarzt aus Dresden, den ich im November Zweitausenddrei in der Hallenser Ambulanz als Patienten behandelt hatte den Kontakt zu einem Kollegen, der zum Januar Zweitausendsieben aus Altersgründen seine Praxis in Dresden-Niedersedlitz abgibt. Eine sehr gutgehende. Ich habe schnell gespürt, dass das ein Angebot ist, das man nicht ablehnen kann.

Dresden hieße dann Umziehen. Komplett. Mit Kind und Kegel.

Jetzt stand ich am Scheideweg. Auf der einen Seite das menschlich so gute Arbeitsklima in Chemnitz mit den geordneten Abläufen und einem Chef, der sein Seelenheil nicht allein in der Arbeit sucht und vor allem im Kopf gesund geblieben ist. Mein wunderbar vertrautes Leipzig mit der schönen großen Gründerzeitwohnung. Mit Stuck und Parkett direkt am Rosental. Dazu die Freunde und alles, was ich über die Jahre hinweg kennen- und liebengelernt habe. Und auch der FC Waldstraßenviertel.

Auf der anderen Seite die vollkommene Ungewissheit. Das hohe Risiko der Selbständigkeit, der horrende Kredit für den Praxiskauf und all das, was an Dresden hängt: die Wohnungssuche, das Ein- und Umschulen der Kinder (mein Gott, ich glaube es ja nicht, Greta geht auf’s Sportgymnasium und Emilia und Victor kommen im September in die Schule!) und letztlich der Umzug in die Fremde.

Ich habe mich für Dresden entschieden. Weil mir die Praxis die Möglichkeit gibt, nach zehn Jahren des Angestelltendaseins von jetzt an mich selbst einzubringen. Und noch einmal vieles von vorn anzufangen. Auch wenn es eine riesen Herausforderung ist. Ich möchte das alles nicht mehr: die weiten Fahrten nach Chemnitz, das schlauchende frühe Aufstehen um vier Uhr dreißig (du kannst ja abends nach um neun nicht mal mehr das Haus verlassen) und die nervtötenden Nachtdienste in der Klinik.

Mit vierzig möchte ich dort sein, wo ich hingehöre.

Es geht um elf los. An diesem dreißigsten April Zweitausendsechs nach Engelsdorf. Wie immer von der Funkenburgstraße. Die allgemeine Stimmung ist bestens und als wir die Autos besteigen, sind auch die Kinder mit von der Partie. Mili und Victor, Lea und Moritz von Ringels und die Luise Empt oben aus dem Haus sitzen bereits in Andy Ringels Kofferraum und lassen sich allein mit guten Worten von dort nicht mehr vertreiben. Habt ihr gehört, zieht die Köpfe ein, wenn die Polizei kommt! Victor übt das schon mal.

Wir sind zu neunt, als wir in Engelsdorf eintreffen. Bei Bombenwetter, aber noch zügiger Frühlingskühle nach dem langen Winter. Beim Warmspielen hinten am Hang ist Fischi schnell von den Kindern umringt, die ihm die Torwarthandschuhe wegnehmen wollen. Lea, Emilia und Victor sind jetzt wie Guppi und Fischi wird erst nach einer Viertelstunde klar, dass dieses Spiel so schnell nicht enden wird.

Erst, als er besiegt am Boden liegt und beide Handschuhe erbeutet sind, lassen die Kinder von ihm ab. Andy und ich teilen inzwischen die Spieler in eine Defensiv- und eine Offensivgruppe, vor allem um das Auswechseln zu koordinieren und eine Grundordnung zu haben. Defensiv vor Fischi spielen Andi Seidel und Andy Ringel, Mario und Steffen, offensiv Timo, Steve, Uwe und ich. Von jedem Viererblock sind immer drei auf dem Feld. Und einer draußen.

Bei der Bekanntgabe der Turniergruppen stellen wir fest, dass wir wie schon im Februar in einem Sechs-Mannschaften-Seniorenturnier gelandet sind. Zwecklos, sich darüber aufzuregen und vielleicht, so Fischi, ist das auch besser so, nicht gegen die jungen Heißsporne anrennen zu müssen. Ich sehe das anders, bin aber mit meiner Meinung so ziemlich allein.

Im ersten Spiel treffen wir auf die Marathon Kicker, bei denen ich immer an Peter Teichmanns legendären Foul-Neunmeter im tollen Kampfspiel von Achtundneunzig denken muss. Wir sind ganz in schwarz und beginnen das Spiel mit überlegenen Pässen und gut organisiertem Spielaufbau. Mehrfach werden vor allem durch Steffen die Seiten klug gewechselt. Tempo und Bewegung ja, Torchancen nein. So etwas wie eine halbe Chance hat Timo, dessen Kopfball jedoch rechts am Tor vorbei geht. Danach kriselt es zweimal heftig in unserer Deckung. Beim ersten Mal schläft Andi Seidel bei einem Pass in die Gasse, bei dem der herauslaufende Fischi Kopf und Kragen riskiert. Das zweite Mal haben wir Glück, als ein herrenloser Ball nach einer Ecke von rechts mutterseelenallein und an Freund und Feind vorbei durch den Strafraum segelt.

Am Ende ist die Zeit wieder mal zu kurz, um die leichte Überlegenheit in Tore umzumünzen. Zweimal haben Uwe und Mario bei Doppelpässen auf der linken Seite das Spiel geöffnet, aber jedes Mal kommt keiner der beiden aussichtsreich zum Schuss. Und die einzige wirkliche Chance kurz vor dem Ende vergibt Uwe, der von Timo einschussbereit in Szene gesetzt wird, dann aber in den Boden schlägt.

Wieder eines dieser zuletzt häufigen 0:0-Spiele, die uns sofort in Zugzwang bringen, wenn sich das Dilemma der beiden letzten Turniere hier nicht erneut wiederholen soll.

Aber es wiederholt sich.

Im zweiten Spiel gegen die Stötteritzer Himmelhunde kommen wir wieder nicht über ein torloses Unentschieden hinaus. Die Partie läuft ausgeglichener. Chancen auf beiden Seiten. Wir zwar engagiert, aber ohne den letzten Biss. Gleich zu Beginn bewahrt uns wieder Fischi mit guter Parade und Glück vor dem Rückstand. Beim ersten Mal pariert er den Ball eines allein auf ihn zulaufenden Stürmers und kurz darauf, wieder ein Alleingang, geht der Ball keine zwanzig Zentimeter am linken Pfosten vorbei.

Und wir lassen zwei dicke Chancen aus. Zuerst kratzt der Torhüter meinen Distanzschuss aus dem linken Winkel und kurz darauf setzt mich Uwe mit klasse Pass auf die rechte Grundlinie in Szene. Mein flach nach innen gezogener Ball geht zum von hinten heranstürmenden Steffen, der aber in vollem Lauf über den Ball schlägt. Das war sie, die hundertprozentige, die man in zehn Spielminuten nicht zweimal kriegt.

Überhaupt passieren Steffen, der sonst grundsätzlich immer absolut ballsicher ist, einige Abspielfehler. Er ist ein so toller Fußballer, aber er wirkt blockiert. Und im Kopf nicht frei. Ist das immer noch nur die Hüftsehne?

Nach zwei 0:0-Spielen haben wir nach den letzten Engelsdorfer Hallenturnieren auch hier den Start irreparabel verpatzt. Entsprechend nachdenklich sind die Mienen unter der Birke am Hang. Wenn wir nicht im dritten Turnier hintereinander hinterherhumpeln wollen, muss jetzt unbedingt die Zündung kommen.

Und das ausgerechnet gegen die Rosentaler Kicker, die heute einen richtig guten Lauf haben. In den beiden ersten Spielen gegen die Stötteritzer und den Gastgeber fahren sie spielerisch leichtfüssig zwei 1:0-Siege ein und können dem Evergreen mit uns fast gelassen entgegensehen. Für sie spricht die Tagesform, für uns bestenfalls die Statistik. Sieben Siege, zwei Unentschieden und eine Niederlage. Die letzten vier Begegnungen haben ausnahmslos wir gewonnen, darunter das schöne Engelsdorfer Finale vom Mai Zweitausendvier.

Aber heute ist wohl nicht der Tag der Zahlen.

Es wird, wie schon traditionell ein gutes Spiel. Auffallend viele gelungene Seitenwechsel (Mario: „Sah schon etwas mehr nach Fußball aus.“). Wir sind leicht überlegen und suchen auch den Abschluss, können aber die beiden besten Chancen nicht nutzen. Beim ersten Mal schlägt Andy Ringel, der volles Risiko geht, in Mittelstürmerposition freistehend den Ball in die Wolken. Und kurz danach entschärft der Rosentaler Keeper einen Schuss von Mario aus der Halbdistanz. Hinten lassen wir diesmal keine echte Torchance zu, aber mit der dritten Nullnummer im dritten Spiel (übrigens ein Novum für uns) verabschieden wir uns von allen Turnierambitionen.

Es bleiben noch zwei Spiele, um Gesamteindruck und Tabelle zu ändern. Hinter den Rosentalern (sieben Punkte) und dem Team der Marathon Kicker (fünf) sind wir mit drei mickrigen Punkten vorerst Dritter. „Immerhin kein Gegentor“ ist von Fischi zu hören.

Das vorletzte Spiel geht gegen die Gastgeber vom AS Lok Engelsdorf, Lothar Hahns Mannen im Traditionsblau. Ich mittlerweile mit sowas wie Wut im Bauch. Wir sind klar überlegen, aber längst nicht so drangvoll wie nötig, um hier sofort für klare Verhältnisse zu sorgen. Und völlig unbemerkt läuft unser zweihundertstes Kleinfeldspiel. Zur Feier des Anlasses brüllen sich gleich erstmal der leicht entflammbare Steve und Uwe wegen einer Nichtigkeit an. Durchs ganze Mittelfeld. Mensch Steve, lass das doch!

Aber gerade Steve fordert jetzt vorn die Bälle und hat die riesen Chance, als er frei vorm Tor zum Schuss kommt, dann aber noch einen Haken (zu viel) macht und der Torhüter großartig hält. Dann kommen Nickeligkeiten auf. Andy Ringel wird am Strafraumeck vom linken Verteidiger das Standbein weggeschlagen. Sah fast schon brutal aus und Andy ist kurz vorm Platzen, vor allem weil der Verteidiger sich eher nur darüber lustig macht. Aber die Quittung kommt kurz vor dem Ende. Ich störe verbissen die Verteidiger beim Spielaufbau und der Ball springt zu Steve, der mit links aus spitzem Winkel den rechten Innenpfosten und für uns das erste Tor trifft.

Steve bedankt sich bei mir wie bei einem Scorer und auch ich freue mich. Koproduktionen zwischen uns empfinden wir nach den nun zehn gemeinsamen Jahren noch immer als etwas Besonderes.

Leider verletzt sich Steffen wieder an seiner blöden Hüftsehne.

Die ganz großen Dinge können wir heute nicht mehr bewegen. Aber mit dem 1:0 kommt das gute Gefühl wieder zurück und als die Rosentaler, die nun zum ersten Mal in Engelsdorf gewinnen, für uns in alter Verbundenheit die Marathon Kicker schlagen, würde im letzten Spiel ein Sieg gegen die Siedler aus Albrechtshain wenigstens zum zweiten Platz reichen.

Das Spiel wird Einbahnstraßenfußball. Ohne Steffen gegen einen Gegner, der quasi stehend am Boden liegt. Vor allem die Verteidiger haben jetzt auf beiden Seiten viel Platz zu schnellen Flankenläufen. Wir sind total überlegen. Dennoch dauert es eine ganze Weile, bis die Tore fallen. Beim ersten legt der gelöst aufspielende Steve für Timo auf, der nur noch einschiebt. Beim zweiten bricht Uwe über rechts im Alleingang durch und passt in die Mitte auf mich, der ich den Ball zum 2:0 nur noch ins leere Tor verlängern muss. Mit Glück über den linken Innenpfosten.

Am Ende haben wir neun Punkte und drei zu null Tore und werden Zweiter in Engelsdorf. Ich glaube, zum fünften Mal.

Als ich auf die Tabelle schaue, fällt mir auf, dass heute wirklich ALLE SPIELE zu Null ausgingen. 1:0, 2:0 oder eben 0:0. Nicht in einem einzigen Spiel erzielten beide Mannschaften ein Tor. Also letztlich nicht nur für uns, sondern auch für die anderen ein Tag der Nullnummern. Der Tag klingt vorn unter den Sonnenschirmen aus. Wir sitzen zusammen und ich erzähle über den Stand der Dinge mit der Praxis in Dresden. Und dass ich Ende August nun wirklich umziehen werde. Mario fragt, ob es dann mit uns und mit dem Fußball weitergeht. Als ich antworten will, kommt mir Fischi zuvor: „Du glaubst doch nicht im Ernst, dass sich das nicht auch aus Dresden organisieren lässt“. Fischi kennt mich von allen am längsten. Und wir beide lachen uns an.

Die weiteren Spiele des Turniers:

Siedler Albrechtshain - AS Lok Engelsdorf 0:0

Rosentaler Kicker - Stötteritzer Himmelhunde 1:0

Siedler Albrechtshain - Marathon Kicker 0:2

AS Lok Engelsdorf - Rosentaler Kicker 0:1

Stötteritzer Himmelhunde - Siedler Albrechtshain 2:0

Marathon Kicker - AS Lok Engelsdorf 0:0

Rosentaler Kicker - Siedler Albrechtshain 2:0

Stötteritzer Himmelhunde - Marathon Kicker 0:1

AS Lok Engelsdorf - Stötteritzer Himmelhunde 0:2

Marathon Kicker - Rosentaler Kicker 0:1

Abschlusstabelle:

#TeamSUNPunkteTore1Rosentaler Kicker410135:02FC Waldstraßenviertel23093:03Marathon Kicker22183:14Stötteritzer Himmelhunde21274:25AS Lok Engelsdorf02320:46Siedler Albrechtshain01410:8

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