59. Kleinfeld-Turnier
(Kleinfeld-Fußballturnier zum 44. Sportfest des SV Lok Engelsdorf)
01.05.2026, Sportplatz SV Lok Engelsdorf, Hans-Weigel-Straße 29
(6 Feldspieler plus Torwart, 1 x 12 min, 9 Mannschaften)
Jeder gegen jeden ein Spiel
FC Waldstraßenviertel – SG ETSO 0:0
FC Waldstraßenviertel – Fahrradklingel 0:1
FC Waldstraßenviertel – Blindgänger 1:1
Tor: Jakob Hiekel
FC Waldstraßenviertel – Factory 4 & Friends 2:0
Tore: Jakob Hiekel, Elias Koch
FC Waldstraßenviertel – Traktor Althen 0:0
FC Waldstraßenviertel – Lazio Koma 2:0
Tore: Elias Koch, Jakob Hiekel
FC Waldstraßenviertel – Energie Kotzbus 1:3
Tor: Bruno Hönicke
FC Waldstraßenviertel – SV Fortuna Leipzig 02 1:0
Tor: Elias Koch
5. Platz!
FCW mit: Kai Golke (1), Timo Naumann (2), Andreas Schuhmann (4), Ingo Witzel (6), Elias Koch (7), Heiko Hennig (8), Oliver Wolfram (9), Bruno Hönicke (11), Ronny Jank (12), David Groß (13), Jakob Hiekel (14)
Spielbericht
In neuen Farben
Wieder steht das Maiturnier vor der Tür. Engelsdorf ist unser Rhythmus. Unser einziger. Jeder von uns hat sein eigenes Leben und jede Menge um die Ohren. Es ist schwer, alle Mann für ein Großfeldspiel an Deck zu bekommen. Aber für Engelsdorf ist es leicht. Engelsdorf hat Anziehungskraft.
Wir hatten uns neue Trikots machen lassen. Bei Martin Börner im „Absolute Teamsport“-Laden. Am Dresdner Steyer-Stadion. Mit Martin Börner kannst du Pferde stehlen. Er ist sympathisch und denkt schneller, als du planen kannst und ich konnte mich blind auf ihn verlassen. Ich glaube, er mag seinen Job.
Die Trikots sehen klasse aus. Zwei komplette Garnituren. Einmal blau-schwarz und einmal rot-weiss längs gestreift mit schwarzen Hosen und Socken. Also einmal die Nerazzurri von Inter Mailand und einmal Athletic Bilbao!
Dann das Casting. Neben Timo, Andi, Kai, Henne, Ingo und mir braucht es die jungen Antreiber. Aber Carlos, aktuell U18-Nationalspieler von RB Leipzig, der uns letztes Jahr mit seiner Edeltechnik und seinen unglaublichen Toren aus der Halbdistanz fast im Alleingang zum zweiten Platz geschossen hat, ist verletzt. Irgendetwas Neuromuskuläres, nach Timos Beschreibung für mich am ehesten eine Art Lumboischialgie. Noch gestern lief in Leipzig die Schnittbildgebung. Er war also raus.
Der Nächste, der sich abmeldete, war sein Sturmpartner Elias Manuel, Fischis Sohn. Seine Tochter hat Fieber. Ist okay, Elias, das verstehe ich. Aber du wirst uns wie Carlos fehlen. Oh Mann, du bist immer gut für Tore in Momenten, wenn es knifflig wird. Elias hat Durchsetzungskraft und einen guten Schuss. Und einfach so umpusten kann man ihn auch nicht. Ich weiß, dass er gern dabei gewesen wäre.
Der Dritte im Bunde war Uwe Heine. Da war es das Knie. Uwes gutes Auge und seine klugen Pässe hätten wir mal lieber dabeigehabt. Er steht nicht für Tempo, aber für Übersicht, die dir in der Hektik der kurzen Spielzeit von großem Nutzen sein kann.
Zum Glück standen Ronny Jank und endlich auch mal wieder David Groß auf der Platte. David hatte zwar keine Spielpraxis. Aber, jeder, der ihn kennt, kann sich denken, dass er immer noch weiß, wie’s geht! Mit den beiden hatten wir wieder einen Direktor und einen Abteilungsleiter. Also mal mindestens zwei echte Anführer.
Und die Abteilung Dachse. Elias hatte mir Jakob Hiekel mit viel Lob angekündigt. Jakob ist neunzehn. Von den Dresdner Verkehrsbetrieben. Sein Empfehlungsschreiben waren sieben Scorerpunkte in den letzten drei Pflichtspielen. Und dann Holmis Sohn Bruno aus Aue. Oder besser gesagt Gießen, wo er mit einundzwanzig gerade Medizin studiert. Und um es gleich vorwegzunehmen: Beide waren gut. An beiden hat’s nicht gelegen.
Uns erwartet ein Tag mit knalliger Sonne. Keine Wolke am Himmel. Und dabei waren die letzten Tage noch sehr kalt. Vorgestern Nacht minus ein Grad. Aber jetzt, pünktlich zum 1. Mai ist Sonnenbrandwetter.
David und ich kamen zusammen von Dresden. Ronny auch, aber alleine. Mit Bruno, Elias und Jakob bezogen wir schon kurz nach neun einen kleinen Pavillon an der linken hinteren Ecke des Feldes. Wieder alles voller Menschen. Alle tragen Taschen oder haben Bälle am Fuß. Auf den Feldern machen sich die ersten warm. Zwischendurch immer mal Stadiondurchsagen. So fühlt sich Engelsdorf an.
Woran es gelegen hat? Ich weiß es nicht. Vielleicht war es die Selbstverständlichkeit, mit der wir glaubten, dass wir auf jeden Fall wieder um den Turniersieg mitspielen würden. War ja immer so. So eine gespielte Lockerheit mit dem Gefühl, dass es schon gutgehen wird.
FC Waldstraßenviertel – SG ETSO 0:0
Alles fühlte sich noch wie ein Betriebsunfall an. Unentschieden zum Auftakt ist nun so schlimm auch nicht. Dachten wir.
Es geht los auf Feld eins. Der Gegner spielt in orange. Wir sind optisch überlegen. Aber wer genau hinschaute, hat es sofort gesehen. Wir sahen nicht gut aus. Irgendwie zu langsam, zu wenig Direktspiel, zu kompliziert. Man könnte sagen: Kein Druck hinter dem Ball. Ich glaube, es waren ganze zwei Schüsse. Einmal Jakob, der sich gut einführte und dessen Ball geblockt wird. Und dann nochmal Jakob, dessen Schuss aus vielleicht achtzehn Metern deutlich drüber geht. Hinten wurde es nur einmal gefährlich, als ein Flachschuss rechts am Tor vorbeigeht.
FC Waldstraßenviertel – Fahrradklingel 0:1
Und plötzlich war sie da. Die erste Kleinfeldniederlage nach vier Jahren. Im Mai zweiundzwanzig hatten wir bei unserem bisher letzten Turniersieg mit 0:2 gegen den SV Althen verloren. Seitdem zweiundzwanzig Spiele nacheinander ohne Niederlage. Aber jetzt war es soweit.
Es ist das Gleiche wie im ersten Spiel. Wieder Feld eins. Wir spielen ohne Druck. Die haben sehr dynamische Leute in der Mitte und vor allem über rechts. Nach einem Handspiel von Timo gibt’s Freistoß von halbrechts, der im dichten Gedränge vor Kai irgendwie ins Tor verlängert wird. Danach hält Kai einen schwierigen Flachschuss, der auch hätte drin sein können. Wir versuchen es nun mit mehr Läufen in die Tiefe, aber es werden keine echten Chancen. Dann Neunmeter gegen uns, als Ingo eindeutig den Ball spielt, aber der groß gewachsene Gegenspieler theatralisch fällt und dann auch noch schreit. Oh Mann, das war wirklich nie im Leben ein Foul, aber der Schiedsrichter zeigte sofort auf den Punkt. Diskutieren nützt da bekanntlich nichts. Aber Kai hält den Ball links unten souverän. Dennoch haben wir nichts davon. Wer sich keine Chancen erspielt, kann auch keine Tore schießen.
FC Waldstraßenviertel – Blindgänger 1:1
Wir stehen auf Feld zwei also schnell unter Zugzwang. Vor allem jetzt, gegen vermeintliche Laufkundschaft. Der erste Eindruck ist: Die sind nicht ballsicher. Und hinten ohne spielerische Lösungen. Die müssen wir schlagen! Sie schlagen Langholz und bringen uns damit ein um’s andere Mal in Verlegenheit. Vorne fällt eher aus dem Nichts für uns das 1:0. Nach einer Ecke von Elias von rechts köpft Jakob den Ball in die Maschen. Endlich liegen wir mal in Führung. Das sollte eigentlich Sicherheit geben. Tut es aber nicht. Als Jakob nach einem Alleingang zu Fall gebracht wird, bekommen wir einen Neunmeter, den David sich nimmt, aber fast zwei Meter rechts oben drüber setzt. Oh Manno, wie geht denn sowas. Ich glaube, der Ball lag nicht richtig. So etwas passiert so einem wie David normalerweise nicht. Praktisch im Gegenzug dann die entscheidende Szene des Spiels. Ein ich sage mal südländischer Dribbler geht ins eins gegen eins gegen mich. Ich stoppe ihn fair und gewinne den Ball, aber er fällt ohne irgendetwas in mich hinein. Schlecht sieht aus, dass Bruno noch von vorn dazukommt und es so aussieht, als hätten wir ihn in die Zange genommen. Nichts von alledem war so. Er hat das Foul, wie man so sagt „gezogen“. Der fällige Strafstoß geht flach ins linke untere Eck. Bisher läuft wirklich alles gegen uns.
Die letzte Chance des Spiels vergebe ich. Jakob spielt mir den Ball in die Gasse. Ich versuche ihn ins linke lange Eck zu donnern, aber der Ball wird im letzten Moment geblockt.
FC Waldstraßenviertel – Factory 4 & Friends 2:0
Die ersten drei Spiele. Das waren nicht wir. Das war irgendwer anders. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, dass wir in den letzten Jahren mal sowas angeboten haben. Meine liebe Mutter kommt nun endlich auf dem Fahrrad vorbei. Du bist unser Talisman. Du hast gefehlt!
Vor dem Spiel gegen die Factory 4 & Friends versammeln wir uns kurz in unserer Hälfte und klatschen uns ab. Wir müssen gewinnen. Und jetzt auch keine Gefangenen!
Das Spiel ist auf dem Kunstrasen, also auf Feld drei. Hier gibt es jetzt keine Zweifel, wer Herr im Hause ist. Wir sind das erste Mal drückend überlegen und spielen flüssig. Endlich läuft der Ball. Das 1:0 macht Jakob, der zwei, drei Mann in der Mitte aussteigen lässt und dann ins lange Eck vollendet. Auch das 2:0 bereitet Jakob vor. Mit Pass auf Elias, der aus Nahdistanz einschiebt. Apropos Elias. Als ich in der Mitte im vollen Lauf das sichere 3:0 auf dem Fuß habe, nimmt mir Elias das Ding vom Fuß. „Keine Ahnung, was ich da gemacht habe“ meint er danach.
FC Waldstraßenviertel – Traktor Althen 0:0
Nach vier Spielen ein Sieg, zwei Unentschieden und eine Niederlage. Es besteht also noch Hoffnung. Auch Carlos ist jetzt da. Mit seiner Freundin. Wenigstens zum Zuschauen. Oh Mann, mit ihm würde das hier anders laufen. Jeder hier denkt das. Auch Elias Manuel fehlt. Die beiden würden hier die Hölle loslassen.
Traktor Althen spielt ganz in Blau. Keine Ahnung, warum wir das Spiel nicht gewonnen haben. Wir sind mal wieder überlegen. Auch die Pässe kommen und wir erspielen uns zwei, drei Chancen. Auch geht es endlich schneller. Aber es fallen keine Tore. Elias meinte, „es fehlen die Abschlüsse“. Ingo nennt es „Ballbesitzfußball“. Ronny ordnet und dirigiert. Er kann Spiele auch mal alleine entscheiden. Timo auch. Er bereitet viel über links vor und ist super ballsicher. Alle Pässe schnell. Das brauchen wir jetzt. Auch Henne gibt Gas. Aber wir können es nicht erzwingen. Als ich über rechts durchgehe, übersehe ich von der Grundlinie Elias, der in der Mitte freisteht. Kurz darauf ist Schluss. Jetzt sind es fünf Spiele und nur ein Sieg.
FC Waldstraßenviertel – Lazio Koma 2:0
Lazio in hellblau-weiß. Die kennen wir. Sie kommen aus der „rechten Ecke“, spielen körperlich härter, aber immer fair. Als es losgeht, spielen wir vom Punkt weg endlich den Fußball vergangener Jahre. Unseren Fußball. Flach, geradlinig und direkt. Und es wird gelaufen. Mit vollem Zug zum Tor. Längst ist auch Bruno im Spiel. Inzwischen ist er ein Aktivposten unseres Spiels. Vor allem, wenn er ein Stück Wiese vor den Füßen hat. Er hat gute Antritte und gewinnt schnell Raum. Kein Spaß für den linken Verteidiger, der permanent mitgehen muss. Und er bereitet das 1:0 vor. Mit einem schönen Pass auf Jakob, der flach in die Mitte spielt. Elias donnert den Ball unter die Latte.
Hinten riegelt Ronny zwei Mal die Mitte ab. No paseran. Kein Durchkommen. Die bekommen nicht mal eine echte Torchance, obwohl sie mir mit zunehmender Spielzeit gleichwertig vorkommen. Das 2:0 fällt nach einem Pressschlag im Mittelfeld, als Jakob plötzlich allein aufs Tor läuft und halblinks vollendet. Der Torhüter sah im Eins gegen Eins nicht gut aus, weil er komplett aufmacht.
FC Waldstraßenviertel – Energie Kotzbus 1:3
Beim Blick auf die Tabelle sind wir jetzt Zweiter. Unterm Pavillon schauen wir uns ungläubig an. Kann eigentlich nicht sein. Wie geht denn das? Ronny meint, wenn wir den Vorjahressieger, Energie Kotzbus jetzt schlagen, dann sind wir vorn. Wenn.
Die kommen wieder in weiß-schwarz. Die meisten groß und sehr schlank. Und alle um die zwanzig. Zu unseren Geburtsdaten sage ich lieber nichts. Sie sind höllisch gut. Schnell und geschmeidig. Jeder kennt die Laufwege des Anderen. Alles sieht leichtfüßig und flüssig aus. Wir sind das erste Mal unterlegen. Aber so richtig. Schon in der Spielanlage. Weil sie unsere Passwege geschickt zustellen und pressen. Dennoch ist das 0:1 vermeidbar. Einer von denen taucht an der Strafraumgrenze quer von rechts auf links durch. Dann zieht er vom Strafraumeck flach ab ins lange rechte Eck. Ich stand links hinterm Tor und habe es kommen sehen. Jakob sagte später: „Der geht auf mich, weil ich ihn laufen lasse“.
Ist gut gemeint, Jakob, aber hier hättest du nichts geändert. Denn die machen weiter. Mit großer Leichtigkeit. Auch beim 2:0 spielen sie eine Überzahl aus und schieben aus Nahdistanz ein. Unser 2:1 fällt direkt danach eher unerwartet. Jakob, der heute an fast allen gefährlichen Aktionen beteiligt ist, passt nach links auf Bruno, der den Ball ins lange Eck zieht.
Die letzten zwei Minuten. Können wir hier noch was reißen? Klares Nein. Die nehmen uns den Hörer aus der Hand, laufen noch zwei Mal in Überzahl auf unser Tor und einer davon ist drin. Knock out. 1:3. Und leider geht das völlig in Ordnung.
FC Waldstraßenviertel – SV Fortuna Leipzig 02 1:0
Das Turnier lief nicht gut für uns. Jetzt wollen wir den Sieg zum Abschluss und ein versöhnliches Ende. Wir spielen auf Feld zwei. Fortuna ist ganz in rot und wir von Anfang an besser. Nach einem feinen Pass von Kai in die Mitte auf Jakob bedient der Elias, der scharf und flach dem Keeper keine Chance lässt. Gleich danach habe ich die riesen Chance auf den zweiten Treffer. Jakob flankt aus dem linken Halbfeld auf mich im Fünfmeterraum. Ich hole den Ball gut aus der Luft, vergebe dann aber mit links und viel zu wenig Power rechts am Tor vorbei. Die Chance war krass.
Aber Ronny und David setzen noch einen drauf. Beide laufen kurz vor Schluss allein auf den zwar übergewichtigen, aber super beweglichen und starken Keeper zu. Für alle das sichere 2:0. Den müssen sie machen. Aber anstatt einer von beiden das Ding zu Ende bringt, passen sie vorm Tor genau drei Mal quer, bis der Keeper dann Davids Ball halblinks hält. Einigermaßen unglaublich. Einer wie Timo hätte sich auf sowas nicht eingelassen.
Als das Turnier zu Ende geht, sind wir Fünfter. Immerhin fünf Mal zu null, sagt Henne in Richtung Kai. Und es hätte doch auch wieder Spaß gemacht. Ich lächle gequält. Ich bin mit mir sehr unzufrieden. Einige andere auch. Vor allem David und Elias. Carlos muss sich gegruselt haben, hat es sich aber nicht anmerken lassen.
Nach dem wieder viel zu langem Turnier sitzen wir vorn noch im Schatten. Für mich steht fest: So will ich mich nicht verabschieden. Ich werde mich nochmal voll reinknien. Trainieren, soviel es nur geht und versuchen wiederzukommen. Nach wieder einem langen Jahr warten. Neue Trikots bringen nicht von selbst Siege. Sie werden erst wertvoll, wenn die, die sie tragen bis zum Umfallen kämpfen und rennen und schwitzen. Nicht in der Sonne. Da braucht es verschmierte Gesichter und blaue Flecken. Und Schlamm und Regen.